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VIII. Der Krieg von 1870/71
4. Korps über die waldigen Höhen von Woippy . Am rechten Flußufersollte das 3. Korps die Bewegung unterstützen, indem es die Aufmerksam-keit der Belagerer dorthin lenkte. 400 Wagen wurden bereit gehalten, umdie Vorräte aus den großen Pachthöfen des Moseltales nach Metz zurück-zuführen. Daß dort kürzlich die preußische Landwehr an Stelle der Linien-truppen einrückte, war nicht unbemerkt geblieben und konnte für die Wahldes Weges den Ausschlag gegeben haben.
Der Aufbruch verzögerte sich bis 1 Uhr nachmittags. Dann begannquer über das ganze Moseltal hinweg ein lebhaftes Gefecht. Die preußi-schen Vorposten mußten der Übermacht weichen; die Landwehrkompagnienverteidigten ihre Gehöfte, bis ihnen die Munition zu mangeln begann.Dann wurden diese von den französischen Gardevoltigeurs genommen, diein ihnen eine ansehnliche Zahl von Gefangenen machten. Das Abfahrender Vorräte wurde jedoch durch die Artillerie der Landwehrdivision ver-hindert, und bald rückte auch von Nvrroy-le-Veneur her die 5. Divisionals Verstärkung an und faßte den Feind in der linken Flanke.
Am rechten Moselufer war bald erkannt worden, daß es sich dort nurum einen Scheinangriff handle. So kam auch von da, über die Brückevon Argancy, eine Division des 10. Armeekorps zu Hilfe. Die verlorengegangenen Pachthöfe wurden wieder erobert, und der Feind über Bellevuezurückgeworfen. In kurzem, heftigem und verlustreichem Gefechte erobertedie S. Division den Wald von Woippy . Nur das feste Schloß von La-donchamps blieb in französischer Hand. Mit Einbruch der Dunkelheitendete der Kampf, den die Franzosen gern als „Bataille de Ladonchamps"bezeichnen, in der sie sich des Sieges rühmten. Der preußische Verlustbetrug nicht weniger als 1778 Mann, unter denen sich allerdings etwa500 Gefangene befanden. Die Franzosen geben den ihren auf 1193 an.
Das Unternehmen konnte als die Einleitung zu einem wirklichen Durch-bruchsversuch angesehen werden, denn für eine Beitreibung war der Kampfzu heftig und die aufgebotene Macht zu groß gewesen. Die preußischenTruppen verblieben daher die Nacht über in ihren Stellungen; wirklicheröffneten die benachbarten Forts am nächsten Morgen ein heftiges Feuer.Dann gingen starke Kolonnen, zumal am rechten Moselufer, vor, verzich-teten aber auf ernsten Angriff und die Belagerer kehrten in ihre Quar-tiere zurück.
Häufiges Regenwetter erschwerte die Lage beider Heere bei Metz undvermehrte die Leiden der Truppen. Prinz Friedrich Karl traf bereitsVorbereitungen für die Fortsetzung der Einschließung im Winter. Siewurde indessen nicht mehr notwendig. Der Mangel in der Festung stieg von