4S7
Tag zu Tag. Am 3. Oktober meldete General Coffinieres, der Komman-dant, daß seine Vorräte höchstens noch bis zum 20. reichten. Trotzdembeschloß ein Kriegrat das weitere Ausharren. Marschall Bazaine entsen-dete den General Boyer nach Versailles zu Unterhandlungen, um freienAbzug zu erlangen. Sie blieben indessen erfolglos, weil die Kaiserin, dieunter Umständen die Negierungsgewalt, gestützt aus die Armee von Metz ,wieder hätte übernehmen können, in keinerlei Landabtretung willigen wollte.Die politischen Unterhandlungen waren damit zu Ende.
Inzwischen hörten die Lieferungen aus den Festungsvorräten für dieeingeschlossene Armee auf. Diese war ganz auf die Ernährung durchPferdefleisch angewiesen. Reißend schmolzen die Pferdeherden zwischen denForts. Von den deutschen Beobachtungsstationen aus sah man durchFerngläser, wie sich die bedauernswerten Tiere gegenseitig verfolgten, umsich Schweifhaare und Mähne vom Leibe zu reißen. Der Aufenthalt inden zu verpesteten Sümpfen umgewandelten Lagern wurde unmöglich, dieKatastrophe stand unmittelbar bevor. Ein am 24. Oktober versammelter.Kriegsrat erkannte die Notwendigkeit an, mit dem Oberbefehlshaber derEinschließungstruppen in Verbindung zu treten, um freien Abzug, nötigen-falls nach Algier , oder Waffenstillstand mit Verproviantierung zu erlangen.Prinz Friedrich Karl aber blieb fest bei der Forderung der Kriegsgefangen-schaft der Armee und auf diese Bedingung hin erfolgte am 27. Oktoberabends endlich die Kapitulation, unter den Bestimmungen von Sedan.Am 29. früh wehte die preußische Fahne auf den Forts von Metz . Dergroße Erfolg, der die bewundernswerte Tapferkeit der preußischen Truppenund ihr unerschütterliches Ausharren vor der Festung krönte, war er-rungen. 6000 Offiziere, 167000 Mann wurden kriegsgefangen. An20 000 Kranke und Verwundete blieben in Metz zurück. 56 Adler, 622Feld-, 876 Feftungsgeschütze, 72 Mitrailleusen, 260 000 Gewehre machtendie Kriegsbeute aus. Dieser unvergleichliche Triumph war erkaust mitdem verhältnismäßig geringen Verlust von 363 Offizieren, 8421 Mann,die die Truppen während der Belagerung verloren. Das wichtigste aberwar, daß die Einschließungsarmee gerade im kritischen Augenblick für dieVerwendung im Westen frei wurde.
Schon vor der Katastrophe war aus dem großen Hauptquartier übersie verfügt und ihr neue Bestimmungen zugeteilt worden. Das 1., 7. und8. Korps nebst der 3. Kavalleriedivision bildeten fortan die I. Armee, dienach der, während der Belagerung erfolgten Abberufung des Generalsv. Steinmetz nunmehr dem General v. Manteuffel übergeben wurde. IhrAuftrag war, Metz zu besetzen, Thionville und Montmedy zu belagc."