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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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VIII. Der Krieg von 1870/71

gegen Belfort . Ihm gegenüber stellte sich das in der Bildung begriffene20. französische Korps bei Chagny, Garibaldi, der nach Frankreich geeiltwar und die sogenannte Vogesenarmee übernehmen sollte, bei Autun west-lich Chagny auf. Dann trat ein Stillstand in den Unternehmungen ein.

Inzwischen wendete sich in seinem Rücken die 1. Neservedivision unterGeneral v. Schmeling zunächst gegen Schlettstadt . Am 22. Oktober ließ erden Artillerieangriff eröffnen; 20 schwere Kanonen und 8 Mörser aus Straß-burg nahmen die Stadt unter Feuer. In der schwachen Besatzung brachenUnordnungen, in der Stadt Feuersbrünste aus und schon am 24. ergabsich der Platz. 120 Geschütze, 2000 Mann, 7000 Gewehre fielen in dieHand der Belagerer, die nur 20 Mann verloren hatten.

Um Neu-Breisach und das dazu gehörige Fort Mortier, in denen 5000Mann standen, kam es zu etwas ernsteren Kämpfen. Erst zu Ende Ok-tober waren die Mittel zur Belagerung verfügbar. Geschütze wurden vonRastatt nach dem hochgelegenen, die Festung beherrschenden Alt-Breisach hart am rechten Rheinufer gebracht. Am 2. November begann die Be-schießung. Tags darauf brachen in der Stadt starke Brände aus, vierTage später lag das Fort Mortier in Trümmer und am 10. Novembererfolgte die Kapitulation. Neu-Breisach war zum größten Teil nieder-gebrannt, die Stadtumwallung nur wenig beschädigt. 108 Geschütze, 6000Gewehre waren die Kriegsbeute, der Verlust betrug 70 Mann.

Am Tage zuvor war weiter nördlich auch Verdun gefallen, das von6000 Mann mit 140 Geschützen tapfer verteidigt wurde. Die Beschießungdurch Feldgeschütze war auch hier vergeblich gewesen. Es mußte zumregelrechten Angriff geschritten werden und am 9. Oktober war ein Be-lagerungskorps unter General v. Gayl vor dem Platz erschienen, derdas schwere französische Geschütz aus Toul und Sedan mitführte. DieFeuereröffnung am 13. Oktober brachte jedoch keinen Erfolg und die anZahl überlegene Besatzung drang sogar bis in die Linie der Belagerer vor.Erst nach dem Fall von Metz trat eine Wendung ein; Verstärkungen undein Park von 102 Geschützen kamen an. Die Franzosen warteten nun-mehr den förmlichen Angriff nicht ab, sondern öffneten am 9. Novemberdie Tore. Die Besatzung, mit Ausnahme der Nationalgarden, wurdekriegsgefangen, das Material beim Friedensschluß zurückgegeben.

In Baden hatte sich mittlerweile die 4. Reservedivision in der Stärkevon 15 Bataillonen, 8 Eskadrons, 6 Geschützen gebildet und überschrittbei Neuenburg nordöstlich Mühlhausen den Rhein . Beide Reservedivisionenerhielten nunmehr die schon erwähnte Bestimmung.