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VIII. Der Krieg von 1870/71
werden können. Der neuen drohenden Gefahr gegenüber war es fernermöglich, die 17. Division zur Tannschen Armeeabteilung abrücken zu lassen,der auch die 4. und 6. Kavalleriedivision beigegeben wurden, und die unterden einheitlichen Befehl des Großherzogs von Mecklenburg trat. Dieserversammelte seine Hauptkräfte am 12. November um Angerville.
Auch die II. Armee näherte sich. Sie hatte am 10. November dieLinie Troyes—Chaumont erreicht, dort aber den Befehl erhalten, den Marschauf Bourges nicht fortzusetzen, sondern rechts nach der großen PariserStraße hin abzumarschieren und diese gegen ein Vordringen der Franzosenvon Orleans her zu decken. Der französischen Bedrohung folgten alsounmittelbar die Abwehrmaßregeln.
Die Untätigkeit der Franzosen bei Orleans hatte in dem Großherzoginzwischen den falschen Verdacht erweckt, daß der Hauptangriff nicht vondort, sondern aus Südwesten drohe. Bei Nogent-le-Rotrou (vergl. Skizze 65)sollten sich bedeutende Streitkräfte sammeln. Er wendete sich also dorthin,nahm nach kleinen Gefechten am 22. November die Stadt und mußte nunerkennen, daß er einen Luftstoß geführt hatte. Daher erhielt er auch ausdem großen Hauptquartier den Befehl, an die Loire nach Beaugency zurückzukehren. Er machte indes, noch nicht völlig überzeugt, den Umwegüber St. Calais in der Richtung auf Tours. Am 25. bedrohten fran-zösische Streifkorps die nachfolgenden bayerischen Kolonnen und verursachteneine neue Umkehr gegen Nordost. Das 17. französische Korps war vomWalde von Marchenoir her eilig an den Loirfluß geworfen worden, umden Regierungssitz Tours zu decken. Zwei aufeinander folgende Nacht-märsche lösten es indes fast vollständig auf.
Die Notwendigkeit der einheitlichen Leitung aller Unternehmungen gegendie Loire machte sich auf deutscher Seite fühlbar. Der König ernanntedeshalb Prinz Friedrich Karl zum Oberbefehlshaber aller dort tätigenStreitkräfte, und der Prinz, dem mittlerweile glaubwürdige Nachrichtenzugegangen waren, daß bei Orleans an 150000 Mann wohlausgerüsteterTruppen stünden, rief den Großherzog von seinem Zuge gegen Südwesthin ab und nach Janville, nahe der Pariser Straße, zu sich heran. DerRechtsabmarsch der II. Armee wurde beschleunigt. Das 9. Korps mitder 1. Kavalleriedivision war bereits am 17. November bei Angerville ein-getroffen, wo bis dahin nur die 2. Kavalleriedivision die große Straßegedeckt hatte; es übernahm die erste Sicherung der Belagerung von Paris .Das 3. Korps erreichte am 20. Pithiviers, das 10. näherte sich Montargis ,wo es am 22. eintraf; doch hatte es eine verstärkte Brigade znr Sicherungdes weiten leeren Raumes zwischen der II. Armee und den Truppen des