Die deutschen Streitkräfte an der Straße Orleans—Paris
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Generals v. Werder in Chaumont zurücklassen müssen. Gesperrte undzerstörte Straßen hielten seinen Marsch vielfach auf. Der Widerstand derEinwohner wurde trotziger und kühner; der Volkskrieg kam mehr undmehr in Gang. Alle Nachrichten stimmten dahin überein, daß die Haupt-kräfte des Feindes in sehr ansehnlicher Zahl bei Orlöans zu suchen seien.Die großen, der Stadt vorliegenden Waldungen aber erschwerten den Ein-blick. Beim Weitermarsch hatte das 10. Korps am 24. November beiLadon und Maizieres Gefechte zu bestehen. Aus einem erbeuteten dienst-lichen Schriftstück ging hervor, daß ein neues Korps — nämlich das 20.unter Crouzat, das Werder gegenüber gestanden hatte — mit der Eisen-bahn von Chagny nach Gien herangezogen worden war. Eine gewalt-same Erkundung auf Neuville-aux-Bois am Nordrande des Orleans-waldes stieß auf lebhaften Widerstand des dort stark und geschickt ver-schanzten Feindes. Das Bild der französischen Stellung begann sich zuentschleiern. Sie reichte vom Loing bis über die Pariser Straße westlichheraus zum Comeback) und war überall mit ziemlich starken Kräften besetzt.
Z?er groste Lntsahversuch für Paris
(S. Skizze 56)
Der 24. November ließ die Zweifel darüber schwinden, daß die Deutschenbei Orleans eine starke französische Armee in sorgfältig verschanzterStellung vor sich hätten. Vom Kirchturme von Pithiviers sah mannächtens ausgedehnte Feuerscheine in der Richtung dorthin vor sich, derenAnblick die bisher für patriotische Übertreibungen gehaltenen Nachrichtenbestätigte. Die II. Armee befand sich unerwartet einer neuen ernstenAufgabe gegenüber. Man hatte von einem leichten fröhlichen Marschedurch Mittelfrankreich geträumt und stand nun vor abermaligen Waffen-entscheidungen, deren Ernst man allmählich zu erkenne» begann. Es istvielleicht die schwierigste Probe, der ein Heer unterworfen werden kann,aus einem ersten glücklichen aber schweren Feldzuge, dem naturgemäß eineAbspannung der Kräfte folgt, unerwartet ohne Ruhepause in einen zweiteneinzutreten. Napoleon I. hat dies im Dezember 1806 am Bug und Narewgenugsam erfahren.
Prinz Friedrich Karl entschloß sich in dieser Lage zunächst, in seinerausgedehnten Stellung dem Walde von Orleans gegenüber stehen zubleiben, bis der Großherzog soweit herangerückt sein würde, daß gemein-sames Handeln möglich war. Dann erst sollte der konzentrische Vormarschgegen Orleans beginnen.
Selbst die höchsten deutschen Annahmen von der Stärke des Feindes,