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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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Gambettas Einmischung in die Heerführung

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Die Schlacht von Beaune-la-Rolande am 23. November ^870(S. Skizze 57)

General Crouzat wußte, daß stärkere preußische Kräfte vor ihm in undbei Beaune ständen. Er setzte daher das 18. Korps über Juranville, das20. über Boiscommun so gegen diesen Ort in Bewegung, daß der gemein-schaftliche Angriff am 28. November erfolgen konnte. Der Stoß trafdas 10. preußische Korps, das augenblicklich nur drei Brigaden starkwar und noch eine gemischte Abteilung nach ClMeau Landon hatteentsenden müssen. Die bei Chaumont zurückgelassene gemischte Brigadewar freilich im Anmarsch, konnte an diesem Tage aber erst Joigny er-reichen, also nicht eingreisen. General v. Voigts-Rhetz verfügte daher nurüber rund 10 000 Mann in seiner ziemlich ausgedehnten Stellung.

Glücklicherweise hatte Prinz Friedrich Karl das Kommende voraus-gesehen und seine Maßnahmen getroffen. Er sowohl, wie sein General-stabschef Stichle durchschauten Gambettas Pläne und die Gründe dafür.Der bei Ogilvies Leiche aufgefundene Brief bestätigte sie darin. DerPrinz hatte deshalb gerade zu rechter Zeit, am 27. abends, unter Be-lassung des 9. Korps an der großen Straße OrleansParis die II. Armeenach links zusammengeschoben und die 5. Infanteriedivision östlich Pithi-viers zur Unterstützung des 10. Korps bereitgestellt. Auch die 1. Kavallerie-division stand in der Nähe bei Barville. Mehr konnte im Augenblickenicht getan werden. Zunächst hatte das 10. Korps allein einer sechs-fachen Übermacht standzuhalten.

Früh um 9 Uhr eröffnete das 18. französische Korps den Angriff unddrängte den linken Flügel der preußischen Vorposten hinter den Eisen-bahndamm bei Corbeilles zurück. Auch dies Dorf wurde genommen, diedarin steckenden schwachen preußischen Abteilungen nach Norden und Westenauseinander getrieben. General Voigts-Rhetz aber antwortete durch einenGegenstoß ans der Front, nahm Juranville und behauptete es bis Mittag.Dann wandten sich von Corbeilles und Maizieres her starke französischeKräfte gegen diesen vorgeschobenen Punkt und erzWangen seine Räumung.Die Umfassung des preußischen linken Flügels war nunmehr geglückt, beimRückzug blieb sogar ein Geschütz, dessen Bedienung zusammengeschossenwurde, im tiefaufgeweichten Lehmboden stecken. Jetzt entwickelte sich das18. Korps bei Juranville und ging einheitlich gegen die bis in die Höhevon Beaune nach Long Cour zurückgewichenen Preußen vor. Der mattgeführte Angriff aber scheiterte und verwandelte sich in eine bis zur srühhereinbrechenden Dunkelheit fortdauernde Kanonade.