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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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Kritischer Stand beim Städtchen Beaune

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andern Morgen die Leiche eines ganz jungen Mannes, der, im Begriffsie zu übersteigen, erschossen worden war.

Die um Beaune herum zurückgedrängten Abteilungen hatten sich in-zwischen hinter der Stadt gesammelt, mit neuem Schießbedarf versehenund waren wieder vorgedrungen. Nachmittags um 3 Uhr gelang es ihnen,bis an die Ostseite der Stadt heranzukommen. Gleichzeitig erschien auchdie Hilfe von der Armee. Die 5. Division traf von Pithiviers auf demSchlachtfelde ein und griff um 4'/^ Uhr bereits Batilly an. Auch die1. Kavalleriedivision wirkte mit. Der in Flanke und Rücken bedrohte,schon erschöpfte Feind leistete nicht lange mehr Widerstand, sondern wichgegen Boiscommun zurück, wo sich das 20. französische Korps nächtensnach schwerer Einbuße sammelte. Es hat sich von dem hier erlittenenSchlage während des ganzen übrigen Feldzuges nicht mehr erholt.

Das 18. Korps, das weit weniger gelitten hatte, blieb auf dem er-oberten Boden bei Juranville stehen.

Die so hoffnungsvoll begonnene französische Offensive hatte sogleicheinen empfindlichen Mißerfolg gebracht. Der Gesamtverlust des fran-zösischen rechten Flügels, 1850 Gefangene und die Vermißten eingerechnet,betrug rund 10 000 Mann. Niederdrückend wirkte, daß es auch der un-verhältnismäßig großen Überzahl nicht gelungen war, mit dem verhaßtenGegner, den man schon für verloren gehalten hatte, am Ende fertig zuwerden. Die Preußen büßten außer dem einen Geschütz nur 38 Offiziere,358 Mann ein.

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General Crouzat erhielt auf seine, noch in der Nacht erstattete tele-graphische Meldung den Befehl, von nochmaligem Angriff Abstand zunehmen, und beschloß, sich durch Linksabmarsch am 30., dem 15. Armee-korps zu nähern.

Das wäre unmöglich geworden, wenn Prinz Friedrich Karl am 29. No-vember zur Verfolgung des geschlagenen Feindes übergegangen wäre.Am Abend des 28. aber hatte sich der errungene Erfolg in feiner Be-deutung nicht übersehen lassen. Das 18. französische Korps stand nochvor der Front. Der Prinz erwartete eine Erneuerung des gestrigen An-griffs. Diesen hielt er sür die Einleitung der großen französischen Offen-sive gegen Fontainebleau , versammelte das 10. und 3. Korps in Bereit-schaftsftellungen und zog sogar das 9. zum Teil gegen Pithiviers heran.Er befahl ihm zugleich, mit den übrigen Truppen zu folgen, sobald derGroßherzog an der Pariser Straße einträfe. Auch am 30. verharrte erin der beobachtenden Stellung.