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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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VIII. Der Krieg von 1870/71

Das flüchtige französische Kriegsglück hatte einen jähen Rückschlag er-fahren, die Schlachten von Beaune und Loigny den beiden Flügeln derschönen Loirearmee", schwere Schläge versetzt. Mit Recht mußte mansich fragen, ob sie nach diesen Erfahrungen noch imstande wäre, denMarsch gegen Paris fortzusetzen. Ein Himmel von Illusionen war jäheeingestürzt, und weiteres noch größeres Unheil zog sich zusammen.

Prinz Friedrich Karl , am 1. Dezember noch des erneuten Angriffs gegenden linken Flügel der ausgedehnten deutschen Linie harrend, entschloß sicham 2. früh zum Rechtsabmarsche und darauf folgenden Angriff gegenOrleans im Verein mit dem Großherzoge. Mittags traf auch aus demgroßen Hauptquartier der Befehl dazu ein. Die Vorbereitungen wurdensogleich getroffen, das 9. Korps bei Bazoches-les-Gallerandes, das 3. beiPithiviers, das 10. bei Beaune-la-Rolande versammelt. Am Abend folgtendie Maßregeln zum Angriff.

Die Schlacht von Drleans am 2. und Dezember ^370(S. Skizze 59)

Der Angriff wurde auf zwei Tage verteilt, wie die Kürze der Wintertage,die stets ein Bundesgenosse des Verteidigers ist, es erforderte. Am 3. De-zember sollte das 9. Korps um 9^ Uhr das 15. französische bei Artenay an-greifen, das 3. Korps über Chilleurs-aux-Bois gegen Loury vordringen,das 10. bis Chilleurs nachrücken, die 1. Kavalleriedivision, durch Infanterieverstärkt, zur Beobachtung des französischen rechten Flügels zurückbleiben,die 6. dem eigenen rechten Flügel folgen. Der Großherzog sollte seinenVormarsch westlich der großen Pariser Straße selbst ordnen. Er befahl,daß die 22. Division den Angriff auf Artenay unterstützte, die 17. zu-nächst bei Anneux warte, das bayerische Korps nach Lumeau heranrücke.Die 2, Kavalleriedivision folgte dem linken Flügel, die 4. klärte in derrechten Flanke auf.

Drüben auf französischer Seite hatte der Eindruck, den der Zustand derTruppen machte, in der Seele des Oberbefehlshabers bereits den Ent-schluß zum Rückzüge gezeitigt. Ein anderes blieb auch nicht übrig. DieAuflösung begann sich in der Armee zu verbreiten.

Das 9. deutsche Korps griff Artenay zur befohlenen Stunde an, die 18. Di-vision voran, die 25. dahinter. Die 22. Division unterstützte durch ihreBatterien. Ein heftiger Geschützkampf entspann sich. Bald umgaben 90 Ge-schütze im Halbkreis den ausgedehnten Ort, der von der französischen Di-vision Martineau verteidigt, nach einiger Zeit aber langsam geräumt wurde.Mittags besetzten ihn die Deutschen und schritten nach halbstündiger Rast