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reitenden Batterien zurückgewiesen. General Chanzy beschränkte sich nun-mehr darauf, seine bedrohte rechte Flanke durch Zurückbiegen des Flügelszu schützen und zog dorthin auch noch einen Teil des 17. Korps heran.Er konnte es dennoch nicht hindern, daß die weit schwächere 17. Division inerneutem Angriff auch die Hakenstellung eindrückte und seine Truppen ganzum Villepion zusammengedrängt wurden. Bei dem Versuche der vorderstenTruppen des 17. französischen Korps, ihm Luft zu schaffen, fiel Generalde Sonis, an der Spitze der päpstlichen Zuaven Charettes, schwer getroffen.
General Chanzys Truppen hatten mit anerkennenswerter Ausdauer ge-fochten, ihre Kräfte sich aber im Angriffe nicht nachhaltig genug erwiesen,wie es bei so jungen unerfahrenen Truppen erklärlich ist. Es gehört mehrals nur Mut dazu, einen Angriff unter der heutigen Feuerwirkung tag-über nachhaltig durchzuführen, nämlich ein abgehärteter Körper, Ausdauer,eine unerschrockene Seele, durch Erfahrung gewonnene Besonnenheit unddurch Übung erzeugte Gewandtheit.
Die eintretende Dunkelheit machte auf diesem Teile des Schlachtfeldesdem Kampfe ein Ende.
Inzwischen hatte auf dem entgegengesetzten Flügel ein besonderer Aktdes Kampfes gleichfalls seinen Abschluß erreicht. Das 15. französische Korpsfand an der großen Pariser Straße nur die 3. Kavalleriebrigade vor sich,drängte sie schon um Mittag von Dambron zurück und begann westlichgegen den Kampfplatz einzuschwenken. Da warf sich ihm die 22. Division — die wir bei Loigny aus dem Auge verloren haben — entschlossen ent-gegen, bemächtigte sich im schnellen Anmärsche des Dorfes Poupry undentwickelte sich mit der Front nach Osten. In dieser Stellung wies sie,vereint mit der wirksam eingreifenden 3. Kavalleriebrigade, alle Angriffeder Franzosen blutig zurück, bis auch hier die Dunkelheit weiteren Ver-suchen des Feindes ein Ziel setzte.
Glücklich hatte das kleine deutsche Heer die dreifache Übermacht zurück-gewiesen. Freilich waren die Verluste verhältnismäßig groß, nämlich201 Offiziere, 3938 Mann an Toten und Verwundeten. Aber 8 Ge-schütze, 1 Mitrailleuse, 1 Fahne und 2500 unverwundete Gefangene bliebenin der Hand der Sieger.
Die Franzosen verloren gegen 5000 Tote und Verwundete. Die Auf-lösung ihrer Truppen durch die Schrecken des Kampfes, die Winterkälteund das Ungemach des Krieges steigerten ihre gesamte Einbuße indes aufmehr als 18 000 Mann. Die Deutschen blieben nach ihrem glänzendenErfolge noch bis in die Nacht hinein in der Linie Orgeres—Loigny—Poupry stehen und gingen dann erst in der Nähe zur Ruhe über.
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