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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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VIII. Der Krieg von 1870/71

Gefecht. Dann wich der Feind in den Wald von Orleans zurück. Das3. Korps folgte ihm in zwei Kolonnen, fand aber die Straße und dieGestelle im Walde vielfach zerstört oder gesperrt und erreichte erst um6 Uhr abends die große Lichtung von Loury.

Hinter ihm kam das 10., bei dem die nachgerückte 40. Brigade mittler-weile eingetroffen war, auf dem Umwege über Pithiviers bis Chilleurs.

Der Stoß der drei deutschen Korps hatte ausschließlich das IS. fran-zösische getroffen, dem die im Kampfe gewesenen Divisionen angehört hatten.Unbeteiligt waren die andern geblieben. Vom 16. Korps hatten sich zweiDivisionen aufgelöst, die dritte machte auf dem Rückzüge erst in Höhe derWerke des Orleanswaldes halt. General Chanzy, der fürchtete, geschlagenund vernichtet zu werden, verlangte Unterstützung von dem links nebenihm befindlichen 17. Korps. Dessen, durch Sonis Fall verwaiste Divisions-generale erklärten aber, daß ihre Truppen zu erschöpft seien, um irgend-eine Bewegung machen zu können.

Auch auf der großen Straße vollzog sich der Rückzug nach den Ge-fechten in voller Unordnung. Regimenter, Bataillone, Kompagnien han-delten nach eigenem Ermessen. Alle suchten Orleans möglichst schnell zugewinnen. Die glatten verschneiten Wege und das Schneegestöber wurdebesonders lästig empfunden. Der nach Saran zurückreitende Oberbefehls-haber sah die Straße von Flüchtlingen bedeckt, die vom Massenschreck er-griffen, für die Stimme der Pflicht sowohl als für die ihrer Offizieretanb blieben.

Eine Wendung hätte das Schicksal der Armee nur erfahren können,wenn der rechte Flügel das 18. und 20. Korps jetzt noch den vomPrinzen Friedrich Karl vergeblich erwarteten Angriff auf Pithiviers durch-führten. Sie hatten dorthin nur 2S Kilometer Weges und nichts vorsich, als die durch 4 Bataillone verstärkte 1. Kavalleriedivision. Aber der28. November hatte sie so nachhaltig erschüttert, daß sie dergleichen nichtwagten. Sie glaubten eine bedeutende Übermacht vor sich zu haben.

So fehlte alle Hoffnung auf eine günstige Wendung. General d'Aurellebefürchtete sogar, daß die ungeordneten und unbehilflichen Truppenmassengemeinsam gegen den einen Übergang von Orleans gedrängt und in eineKatastrophe verwickelt werden könnten. Er faßte daher den richtigen Planeines exzentrischen Rückzuges. Nur das 16. Korps, das allerdings stärkerwar, als die andern, sollte allein über Orleans ausweichen, General Crouzatmit dem rechten Flügel bei Gien, Chanzy mit dem linken bei Beaugency über die Loire gehen. Hinter der Sauldre gedachte er die Armee wiederzu vereinigen. Die Anordnungen wurden getroffen, die Regierung benach-