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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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Die Regierung befiehlt, Orleans zu halten

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richtigt. Diese befahl die Stellung von Orleans zu halten, die gar nichtmehr zu halten war; General d'Aurelle blieb bei seinem Vorhaben.

Auf deutscher Seite hatte man kein besonderes Ungemach empfunden.An Glätte und Schneegestöber waren unsere Truppen ebenso gewöhnt wiean Regen und Sturm, eine Frucht der harten Friedenserziehung, die derverweichlichte Sinn einer friedensseligen Volksmehrheit ihr heute zu raubenbestrebt ist. Niemand hielt die Tage für ungewöhnlich schwer. Launig ver-glich General v. Stichle die Schlacht mit einem großen Manöver,beidem das Signal: Das Ganze Halt! ungewöhnlich lange ausbliebe."

Ein wertvoller Fund, eine Anzahl geöffneter Umschläge von telegraphi-schen Depeschen mit der Adresse des Generals d'Aurelle, die auf demSchneefelde lagen, gaben dem Prinzen Friedrich Karl die Gewißheit, daßder feindliche Oberbefehlshaber am 2. Dezember auf dem Schlachtfelde zu-gegen gewesen war. Jeder Zweifel schwand, daß hier vor Orleans dieHauptmasse der Loirearmee zu suchen sei. Das hob die herrschende Be-sorgnis vor einem erneuten Vorbrechen der Franzosen am Loing abwärtsauf, und gab den Deutschen völlig freie Hand die Früchte ihres Erfolgeseinzuheimsen.

Die stärksten Verschanzungen der Franzosen sollten in der Linie GidyCercottes liegen. Gegen sie setzte Prinz Friedrich Karl für den 4. De-zember einen umfassenden Angriff durch das 9. Korps und die Armee-abteilung an, während das 3. Korps von Loury auf Orleans vorgehen,das 10. sich rechts ziehen und als Reserve nach Chevilly folgen sollte.

Die Nacht brachte noch einen Erfolg. Die französischen Streitkräfte,die sich in der Gegend von Neuville-aux-bois behauptet hatten, erhieltenBefehl, die Chaussee von Pithiviers zu gewinnen, um sich auf dieser andie Armee heranzuziehen. Dabei gerieten sie unerwartet in das Feuer desbei Loury lagernden 3. Korps, wurden gesprengt und suchten truppweiseihr Marschziel zu erreichen. Am andern Morgen fand man bei Neu-ville 7 stehen gebliebene Geschütze.

Um 9 Uhr früh begann das 3. Korps seinen Vormarsch und drang untermehrfachen, zum Teil lebhaften Gefechten gegen Truppen des feindlichenIS. Korps bis St. Loup vor. Dabei hatte es sich auch des 20. französischenKorps noch zu erwehren, das auf einen von Tours aus gegebenen Befehlnach Orleans herankommen sollte und sich ebenfalls auf die Straße vonPithiviers setzen wollte. Dort stieß es auf die der S. folgende 6. Division,ward von ihr abgewiesen und ging bei Jargeau über die Loire, wohin esvorsichtigerweise seine Trains schon vorausgeschickt hatte. Die lange Linieder Loirearmee war damit durchschnitten.