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Die Schlacht von Amiens am 27. November l.870(S. Skizze 61)
Das vorn befindliche 8. Korps sollte sich zwischen dem Noye und Celle -bache bis dicht vor Amiens hin unterbringen, die Truppen vom 1. Korpsöstlich der Avre, also völlig getrennt davon. Deren Vorhut — die 3. Bri-gade — ging jedoch noch über den Lucebach gegen Villers Bretouneuxvor, um Dörfer zu belegen, die schon vom Feinde besetzt waren. Darausentspann sich ein Gefecht. In verwegenem Angriff nahmen die preußischenBataillone die Waldstücke am Nordufer der Luce, die Artillerie fuhr in denZwischenräumen auf, und der Kampf wurde allgemeiner. Dem rechtenFlügel gelang es, in kühnem Anlauf die Erdwerke am Eisenbahndammöstlich Villers Bretonneux zu erstürmen.
Auf eine deutsche Meile auseinandergereckt, stand die 3. Brigade nun-mehr den Hauptkräften des Feindes gegenüber. Es folgte nach linksbis zur Noye die breite Lücke, der eine der vier französischen Brigadengegenüberstand; dann erst kam das 8. Korps.
Den leeren Raum füllte allein der Oberbefehlshaber mit seinem Ge-folge und seiner Bedeckung aus. Als daher die Franzosen um 1 Uhrnachmittags zum Angriff gegen die 3. Brigade schritten, befahl dieser dem8. Korps, einzugreifen. Das geschah; nachrückende Truppen des 1. Korpsverstärkten überdies die 3. Brigade unmittelbar, starke Artillerie wurdeherangebracht. Gegen 80 Geschütze nahmen die französische Artillerie, dieüberhaupt nur 7 Batterien zählte, bei Villers Bretonneux sowie diesesDorf selbst sehr lebhaft unter Feuer. Sie brachten jene zum Schweigenund erschütterten die Dorfbesatzung derart, daß sie, als um 4 Uhr diePreußen von allen Seiten unter Trommelschlag anrückten, den Stoß nichtabwartete, sondern wich. Nur an einzelnen Stellen wurde im InnernWiderstand geleistet. In Unordnung eilte der ganze linke französischeFlügel nach dem Somme-Übergang von Corbie zurück. Ein Versuch derfranzösischen Reserven, das Gefecht wieder herzustellen, wurde bald aufgegeben.
Am linken Flügel hatte inzwischen das 8. Armeekorps den Feind aufDury zurückgedrängt, diesen Ort besetzt, den dabei gelegenen Kirchhof ge-nommen, aber, da mittlerweile der Abend herankam, auf den Angriffgegen die Verschanzungen der Franzosen verzichtet. Die Überzahl wardiesmal auf Seiten der Deutschen gewesen, Manteuffel hatte im ganzenüber 30 000 Mann herangeführt. Die Gefahr, in der diese zufolge derTrennung ihrer Streitkräfte sich am Vormittage befanden, hatte derFeind nicht ausgenutzt; damit war der Kampf entschieden. Die Verluste