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Geschichte der organischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Franz Carl Müller
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VI. Hygieine.

entschieden. Wir werden diese Frage und die verschiedenen Kinder-mehle bei der Geschichte der Kinderkrankheiten streifen müssen, sodaß das hier Gesagte genügen mag.

Ein großer Fortschritt auf dem Gebiete der Ernährungs-hygieine war die Erfindung des Fleischextraktes (Liebig).Kemmerich, welcher auch einen Fleischextrakt erfuuden hatte, er-klärte, daß man denselben nur in ganz kleinen Mengen genießendürfe, weil er sehr viel Kalisalze enthält, welche in größeren Quan-titäten genommen ein Herzgift sind; dagegen meint Bunge, daßdie Gefahr der Kalivergiftung nur eine geringe sei, dagegen seiauch der Gehalt des Extraktes an Nährstoff ein so minimaler, daßman denselben nur als einen Luxusartikel für die besitzende Klassebezeichnen kann. Trotz allem hat der Konsum des Liebigschcnund auch des Kemmerichschen Extraktes von Jahr zu Jahr zu-genommen nnd ist anch in der Krankenküche kaum mehr zu ent-behren. Von den verschiedenen Präparaten, die ihn ersetzen sollen,mögen nur zwei genannt sein, welche thatsächlich sehr gute Diensteleisten, der Valentines Fleischsaft und das Puro. Es geht überden Rahmen des Buches hinaus, die einzelnen Nahrungs- undGenußmittel eingehend zu besprechen, wir müssen uns hier nurdarauf beschränken, deren Verfälschungen, welche aufzudecken eineAufgabe der Nahrungsmittelpolizei, also der Hygieine, ist, zn ge-denken. Das Fleisch wird nach dem Entwurf zum Nahrungs-mittelgesetz für das deutsche Reich vom 14. Mai 1879 zu bean-standen sein, wenn es von solchen Tieren stammt, die an einerKrankheit oder infolge übergroßer Anstrengung zu Grunde gegangensind oder kurz vor dem Ende notgeschlachtet wurden; wenn dieTiere an einer kontagiöseu Krankheit litten, die auf den Menschenübertragbar ist (Milzbrand, Rotz , Manl- und Klauenseuche, Wut,Pocken, Tuberkulose); wenn sie an den Folgen einer Vergiftungverendeten; wenn das Fleisch faul ist; wenn es Trichinen oderFinnen enthält. Es besteht darum eine polizeiliche Fleischbeschau,die von Leuten ausgeführt wird, welche mit dem Gebrauch desMikroskopes vertraut siud. Die Würste werden auf einen etwaigenGehalt an Stärkemehl untersucht uud konstatiert, daß dieselben nichtmit Fuchsin gefärbt find.