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VII. Chirurgie, Augen-, Ohren-, Zahnheilkunde.
heit der Chirurgen in einzelnen Specialzweigen der Wundarznei-kunde Erfolge gezeitigt hat, die noch 0or 20 Jahren als unglaubhaftangesehen worden wären. So hat die Ausbildung der Darm-chirurgie die Darmnaht gebracht uud gestattet, das Messer selbstiu die Leber und Gallenblase zu senken. Die Erfahrung zeigte,daß die Leber ein sehr großes Negenerationsvermögen besitzt, wasdie Chirurgen veranlaßte, größere, erkrankte Partien zu entfernen.Die Gallensteine werden vielfach auf operativem Wege beseitigt, dieMilz exstirpiert nnd selbst vor Neubildungen der Bauchspeicheldrüseschreckt der Chirurg uicht zurück. Seitdem die Eröffnung derBauchhöhle uicht mehr zu den todbringenden Operationen gehört,macht man in zweifelhaften Fällen selbst die Probelaparatomie.Daß eine Niere operativ entsernt wnrde, haben wir schon erwähnt. —Daß man ferner bei tuberkulöser Entzündung des Bauchfelles dieLaparatomie unternimmt uud nach derselben Besserung sieht, ist be-wiesene Thatsache, aber der Grund dieser ausfallenden Erscheinungist uns noch nicht bekannt. — Eine Krankheit, die in jüngster Zeitin überraschender Weise zugenommen hat, ist die Entzündung undVereiterung des Wurmfortsatzes. Während man früher ent-weder auf einen Durchbruch nach außen wartete oder doch uurdann operieren konnte, wenn die Eiteransammlung sich zwischenWurmfortsatz und Bauchdecken gewissermaßen abgekapselt hatte, undbei Entleerung des Eiters nach der Bauchhöhle für die tödlichePerfvrationsperitonitis kein Mittel kannte, geht man heutzutagerascher vor und entfernt in geeigneten Fällen frühzeitig den Wurm-fortsatz oder man öffnet die Bauchhöhle uud sucht durch Abspülnngund Auswaschung den Eiter zu entfernen. Noch schwanken dieNi?sichten über den günstigsten Zeitpunkt der Operation, dennwährend die einen schon in den ersten Tagen einschueiden, warteudie anderen zu, bis die Eiterung sich lokalisiert hat. Letzteres istnunmehr auch uicht mehr so gefährlich wie früher, weil, selbst wennim schlimmsten Falle der Durchbruch nach innen stattfindet, in derLaparatomie eine wenn auch uicht übergroße Hoffnung auf Er-haltung des Lebeus bestehen bleibt.
Die Trepanation, welche früher im Übermaß gemacht wurde,kam wieder zu Ehrcu. Bei unseren Kenntnissen vom Ban des