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Griesingev. 525
Psychiker und die Somatiker. Erstere, deren Haupt der viel-genannte Heinroth war, hielten die psychischen Krankheiten fürErkrankungen der Seele, die das eigentlich Primär Kranke ist; diemit den Geisteskrankheiten einhergehenden körperlichen Verände-rungen haben mit der eigentlichen Geisteskrankheit nichts zu thunund sind sekundär. Die Geisteskrankheit ist eine Strafe für vor-ausgegangene Schuld. Genau das Gegenteil behaupten die Soma-tiker, welche hauptsächlich durch Jacobi vertreten wurden. DieSeele kann nicht krank werden, sondern mir der Körper: „DieSeele erscheint nur iu den Äußerungen ihrer einzelnen Funktionenalieniert, weil das Somatische, an welches ihre Thätigkeit gebundenist oder durch welches sich dieselbe äußert, erkrankt oder so patholo-gisch verändert ist, daß es zur normalen Vermittelung der psychischenThätigkeitsäußernngen nicht mehr tauglich ist. Der unmittelbareGrund aller psychischen Krankheiten muß jederzeit im Körper oderim Somatischen gesucht werden, eS muß folglich jeder psychischenKrankheit auch eine somatische Abnormität als Bedingung ihrerExistenz zur Basis dienen." Während die einen nur krankhafteVeränderungen des Gehirnes für die Geisteskrankheiten verant-wortlich machten, fanden andere, daß jedes körperliche Leiden zueiner Psychose führen kann; es war dies die Zeit, in welcher manvon der „Milch sprach, die in den Kopf gestiegen ist" oder von„zurückgetriebener Krätze". — Der Gedanke, daß eine allgemeineKonstitntionskrankheit daS Blut verschlechtern nnd damit die Er-nährung des Gehirnes beeinträchtigen könne, ein Gedanke, welcherso nahe lag, wurde von keiner Seite ausgesprochen. Es ist klar,daß mit dem Fortschreiten der naturwissenschaftlichen Erkenntnisdie Heinrothsche Lehre fallen mußte, die Einführung der patholo-gischen Anatomie in die Psychiatrie gab ihr den Todesstoß. —
Schon am Anfange des Jahrhunderts war man vielfach damitbeschäftigt, die einzelnen Psychosen zn klassifizieren, und aus derMenge der beobachteten Fälle einzelne herauszugreifen, die sich inihren Symptomen und in ihrem Ablauf glichen. Unterschied manfrüher, wie aus den alten Gesetzbücher!! noch deutlich hervorgeht,nur die Tobsucht, die Schwermut und den Schwachsinn, so brachtedas 19. Jahrhundert bald die Erkenntnis einer Krankheit, welche