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Geschichte der organischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert : Medizin und deren Hilfswissenschaften, Zoologie und Botanik / von Franz Carl Müller
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Wirbeltiere.

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Freilich muß die frühere Definition, nach welcher es sich nur umTiere mit einer Wirbelsäule handelt, erweitert werden, denn auchdie nur mit einer Ol^orclg. clors^Iis ausgestatteten Tiere gehörenzu den Wirbeltieren, so daß man besser von Tieren mit einemNxenskelett spricht. Man hat schon im Altertum die Wirbeltierein vier Klassen eingeteilt, die auch noch Cuvier beibehielt: Säuge-tiere, Vogel, Amphibien nnd Fische. Blainville trennte die Rep-tilien von den Amphibien ab, Haeckel bezeichnete die Cyclostomeu alseine niedrige Art der Fische. Von den übrigen Tieren unterscheidetsich vor allem die Haut durch die Vielschichtigkeit der Epidermisund durch die Dicke der Lederhaut. Erstere kann unter Umständeneine starke Schutzdecke für den Körper geben und verhornen; dadurchentstehen die Federn der Vögel, die Haare der Säugetiere; aberauch die Lederhaut kann der Sitz von Verknvchernngen werden undbildet dann das von dem übrigen Skelett differenzierte Hautskelett,welchem die Schuppen der Fische, die Panzer der Krokodile angehören.

Die Urform der Wirbelsäule ist die Okoräa cloi-s^Iis, die un-gegliedert ist und dem Zuge der Muskeln nachgiebt. Sobald sichdieselbe gliedert, ist der Anfang der Differenzierung von Schädelund Wirbelsäule gegeben. An die Wirbelkörper schließen sich dieRippen an, welche bei den Fischen frei endigen, bei den anderenWirbeltieren zum Teil durch das Brustbein verbunden werden.Die Wirbelsäule besteht aus Knochen und Knorpeln und erhält durchdie zwischen den Wirbelkörpern liegenden Knorpelscheiben, durch dieMuskelu und Ligamente ihre Beweglichkeit. Der oberste Teil desAxenskelettes ist der Schädel, welcher dem Amphioxus fehlt. Eslag nahe, daß Goethe auf den Gedanken kam, daß der Schädelaus einer Reihe von Wirbeln zusammengesetzt ist, doch diese Theoriehat trotz ihrer geistreichen Begründung anch durch Oken derWissenschaft nicht Stand gehalten, welche vielmehr annimmt, daßSchädel und Wirbelsäule zwar beide aus dem Wirbelskelett entstehen,aber unabhängig voneinander. Man unterscheidet drei Entwickelungs-znstände des Schädels: deu häutigen, den knorpligen und denknöchernen, von denen der erstere den niederen Fischen, der dritteden höheren Tieren zukommt. Das vergleichende Studium desknöchernen Schädels hat nicht nnr großes Interesse namentlich für

Müller, Organ. Nalurw. 41