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Geschichte der organischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert : Medizin und deren Hilfswissenschaften, Zoologie und Botanik / von Franz Carl Müller
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Pflanzengemcbe.

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sogar gefunden, daß das Protoplasma feine Fortsätze durch dieSchließhäute der Tüpfel schicken kann, worüber sich Gardiner inseiner Arbeit:On tke oovtinuitv ok tds ?rotoplasm"ausgesprochen hat.

Wenn man anch verschiedene Formen der Neubildung derZelleu gefunden zu haben glaubte, so gehen dieselben doch imGrunde alle darauf zurück, daß zuerst der Kern sich teilt und dasProtoplasma sich um die beiden neneutstandenen Teile gruppiert,bis zwischen denselben eine Scheidewand entstanden ist, die für dieBollendung des Zellteilungsvorganges spricht. Über die kompli-zierten Vorgänge, die hier näher zu schildern nicht der Platz ist,hat namentlich Strasbnrger eingehende Studieu veröffentlicht,wobei wir auf dessen Werk:Zellbildung und Zellteilung"1880 hinweisen. Den Anstoß zu den neuen Arbeiten gab aberTschistiakoff (1874) durch seine Abhandlung:Natsrikuxpour ski-vi^ s, l'Iiistoirs 6s 1a osllulö vsAötills".

Wenn wir die einzelnen Gewebesysteme der Pflanzenwelt inihrer historischen Entwickelung zu schildern uns unterfangen, somöge nach Sachs die kurze Notiz hier Platz finden, daß derAusdruckGewebe" auf einen der ersten Pflanzenanatomen,Nehemia Grew, zurückzuführen ist, der in einer Abhandlung vomJahre 1682 das Zellwandgerüst als aus feinsten Fädchen bestehendschilderte und mit einer Anzahl anfeinandergeschichteter BrüsselerSpitzen verglich. Dieses veranlaßte ihn, den Namen Zellgewebezu erfinden ((^ontsxtus <z<z11ulosus) und von ihm hat man denselbensogar aus die tierische Pflanzenlehre übertragen. Während manfrüher annahm, daß die Wandlamellen zweier benachbarter Zellendurch einen Kitt, die Jntucellnlarsnbstanz, verbunden sind, istman durch spätere Untersuchungen überzeugt worden, daß ursprünglichzwischen zwei Zellen nur eine einzige Wand besteht, welche sichzwar unter Umständen beim Dickenwachstum spalten kann, aberdieses nicht notwendig zn thun braucht. Man findet sogar beifortschreitendem Wachstum drei Schichten, von denen je eine alsZellwand das Protoplasma der benachbarten Zellen umschließt,während sich zwischen diesen noch eine Mittellamelle ausbildet,welche sich chemisch von den Cellnlarwänden durch hohe Quellbarkeit