Die Poesie der fünfziger Jahre: Lyrik und Epik.
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diese Schrift vieles gesühnt, was er früher verfehlt hatte; um ihret-willen maß auch er zu deuen gerechnet werden, die in diesem Jahr-hundert den Kampf um den Einzelnen tapfer und erfolgreich ge-rümpft haben.
Die Poesie der fünfziger Jahre: Lyrik und Epik.
Die rückläufigen Tendenzen machten sich nicht bloß in derPolitik und Kirche, sondern natürlich auch auf dem Gebiete derLitteratur geltend. Die Lyrik der vierziger Jahre war im weseut-licheu liberal oder geradezu revolutionär gewesen. Nur selten klangein konservativer Ton dazwischen, am kräftigsten wurde er vou demschlesischen Grasen vvn Strachwitz angeschlagen. Namentlich inseinen nachgelassenen Gedichten von 1843 — er war 1847 junggestorbeu — wendet sich dieser adelige Dichter gegen die liberalenPveten als die „jüngsten Sterne, die Zwitter vom Rouc uud vomPropheten", und prophezeit seinerseits ebenso kühn als wahr:
So kommt es, ihr Männer des ewigen Nein,
So kommt's, ihr TtMnnenvertreiber,
Es wird eine Zeit der Helden sein,
Nach der Zeit der Schreier und Schreiber.
Bis dahin webt mit Fleiß und List
Eure Schlinge ineinander,
Wenn der gordische Knoten fertig ist,
Jugendkraft und Jngendmut, ein Stück ritterlichen Freiheitsgefühls,wie es 300 Jahre zuvor die Sickingen und Hütten gehabt hatten,fehlt diesem Jüngling nicht, dessen Lieder in ihrer Frische uns zumTeil an die besten Sachen Detlev von Liliencrons erinnern.
Für die sünfziger Jahre aber sind neben Geibel, den mantaute cls inieax für den größten deutschen Lyriker erklärte, diechristlichen Poeten mit ihren srvmmen Liedern besonders charakteristisch.Einst hatte Fr. Th. Bischer in den Halleschen Jahrbüchern überAlbert Knapps christliche Lyrik spotten köuneu: in ihm sei derPietismus „modern, sentimental geworden und habe sich soweitden Kindern der Welt anbequemt, daß er Almanachsform annähn:und seine Christlichkeit im Frack einführte. Albert Knapp hat einansehnliches Talent zur Poesie durch seine pietistische Umweudung