Erfolge und Folgen des Sieges.
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ließ der Miß-Banghan-Schwindcl blicken, auf den ein großer Teilder katholischen Weit mit samt dem unfehlbaren Papst hereingefallenist. Und auch das hängt wieder mit dem katholischen Priuzip dervölligen Unterordnung der Laieu unter das unfehlbare Lehramtder Kirche und des Papstes zusammen: selbst zu sehen und selbstzu Prüfen ist ja verboten. Daher hat die Kirche kein Interesse auder Erhöhung und Erweiterung der Volksbildung und hat keinHerz sür die allgemeine Volksschule; daß diese, ein Geschöps uudWerk des Staates, sich von ihr frei uud unabhängig entwickeln,und entfalten soll, ist ihr ein Dorn im Auge und soll um jedenPreis verhindert werden.
Noch weniger aber kann die katholische Kirche , wie sie sich imneunzehnten Jahrhundert schließlich bis zur Unfehlbarkeitserkläruugdes Papstes entwickelt hat, die Wissenschaft iu ihrer Freiheit an-erkennen und ihres Amtes, Wahrheit zu suchen, ungestört waltenlassen. Wenn der Papst unfehlbar ist, giebt es in der katholischen Welt keine freie Wissenschaft; hatte doch fchon 1863 eine Ver-sammlung katholischer Gelehrter iu München unter DöllingersAssistenz den Satz angenommcu: „Es ist GewisseuSpflicht, in allenwissenschaftlichen llntersnchungen sich den dogmatischen Anssprüchender unfehlbaren Autorität der Kirche (d. h. also, jetzt: des Papstes)zu uuterwerfen." lind Leo XIII . hat davon auch thatsächlichGebrauch gemacht nnd durch seine Encyklika ^etsrni patris vom4. August 187S die Theologie und Philosophie des Thomasvon Aquino als maßgebend für alle gelehrte Arbeit in der katho-lischen Christenheit erklärt. Daß diese Disciplinen damit auf denStaudpuukt der mittelalterlich-scholastischeu Wissenschaft zurück-geworfen siud uud ihueu jeder selbständige Fortschritt unmöglichgemacht oder als Frevel augerechnet wird, liegt aus der Haud. DieFolgen sind denn auch bereits spürbar. Ein beflissener und forcierterThomismus uud AristotelismuS, der um alles Dazwischenliegendesich nicht kümmert oder es als Fehlgang und Irrtum verwerflichfiudet, lastet wie ein Alp auf deu theologischen nnd philosophischenStudien der Katholiken und macht ihre Arbeit unter allen Um-ständen unfruchtbar, vielfach aber auch uuwahr und ungerecht.
Typisch dafür ist der 1897 erschienene dritte Band der „Geschichte
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