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Nach 1871! „?in äs sidele«
dentnng? Wie ist es am wenigsten verschwendet?" und die Antwortdarauf: „gewiß uur dadurch, daß du zum Vorteile der seltenstenund wertvollsten Exemplare lebst, nicht aber zum Vorteile dermeisten, d. h, der einzeln genommen wertlosesten Exemplare."Eben deshalb verurteilt Nietzsche unsere Kultur, weil sie diese ihreAufgabe, den Genius zu erzeugen, nicht erkennt. Schuld daran istdie Selbstsucht der Erwerbenden, der Wissenschaft und ihrer Dienerund vor allem des Staates mit seinem Streben nach möglichsterAusbreitung und Verallgemeinerung der Kultur; denn nicht aufdie Masse und die Allgemeinheit, sondern auf den Einzelnen kommtes an. Positiv aber gilt es nun, diesen Genius als das zu er-zeugende Ziel der Kultur in plastischer Anschaulichkeit vorzuführen.Er schildert den Menschen Rousseaus mit seinem revolutiouäreuDrang zur Natnr und der Gefahr Katilinarier zu werden, denMenschen Goethes, den beschaulichen Menschen im hohen Stil,eine erhaltende nnd verträgliche Kraft, aber mit der Gefahr zumPhilister zu entarten; nnd nun zum Dritten — nicht, wie manerwartet, den llomms ä'aetion, wobei es in den siebziger Jahrennahe lag an einen ganz bestimmten zu denken, sondern, nach seinensubjektiven Bedürfnissen und Neigungen zurccht gemacht, denMenschen Schopenhauers , der ein Denker, ein Künstler nnd, weiler am Leben leidet und vom Leben erlösen soll, ein Heiliger seinmuß. Damit ist uns der Weg zur wahren Kultur gewiesen, erheißt: „die Erzeugung des Philosophen, des Künstlers nnd desHeiligen iu uns und außer uns zu fördern und dadurch an derVollendnng der Natur zu arbeiten".
Der andere „Erzieher" war Richard Wagner . Aber in demAugenblick, wo Nietzsche den Hymnus auf diesen fertig hatte, kamder Bruch, die Schrift auf ihn war zugleich auch die Absage anihn und der Abschied von ihm. In diesen Sturz wird auchSchopenhauer mit hineingezogen, und nun folgt jählings diepositiviftische Umkippung Nietzsches . Der früher als Mörder derTragödie und als Plebejer hart gescholtene Sokrates steigt miteinem Mal im Werte, selbst die Geschichte und mit ihr die Tugendder Bescheidung und der Besonnenheit wird gepriesen, dagegentreten Genie und Kunst als minderwertig zurück. Der tüchtige