Die Fragen der Schulreform.
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sich herausgefordert. Eine Erklärung wie die von Wilamowitz-Moellendorff, daß der philologische Professor unter seinen Zuhörernkeine Schulamts kandidaten, fondern nur Studierende der Philologiekenne und darüber, wie er feines Amtes walte, vor keinem irdischenTribunal Rechenschaft abzulegen habe, gab doch Wohl einer längstvorhandenen Anschauung und Übung Ausdruck und erregte darumauch bei Freunden humanistischer Bildung schwersten Anstoß. Undendlich mußte ein Universitätsskandal wie in den sechziger Jahrender zwischen den beiden Philologen Ritschl und Iahn in Bonn andem erziehenden Einfluß der Hnmaniora allerlei berechtigte Zweifelaufsteigen lassen. So erschien jene Abkehr der Zeit von denAltertnmsstudien zugleich auch fast wie eiu persönliches Gerichtüber ihre Vertreter, das natürlich ohne Wahl Schuldige und Un-schuldige, Gerechte und Ungerechte traf.
Das Schlimme aber war, daß das alles in erster Linie dieGymnasien als die Pflegstätten der klassischen Studien zu büßenhatten. Vou allen Seiten erfolgten Angriffe, der Bestand unseresganzen höheren Unterrichtswesens wurde in Frage gestellt, Petitionenum Abänderung desselben bedeckten sich mit taufenden von Unter-schriften und eine Flut von meist wertlosen Neformvorschlägen —der Minister von Goßler gab 1889 die Zahl derselben ans 344an! — vermehrte das Chaos. In dieses Ordnung zu bringen,das Alte neu zu stützen oder an seiner Statt ein Neues zu bauen,dazu wurde im Dezember 1890 die Berliner Schulkonserenz berufenund alles blickte in jenen Tagen gespannt ans sie hin, als sollte dasHeil sür unsere Bildung von ihr kommen. Das Eingreifen desKaisers, der sich in Erinnerung an seine eigenen Kasseler Schuljahrezum Anwalt der Überbürdungsklagen uud des Vorwurfs wegenmaugelnder nationaler Erziehung durch die Gymuafien machte, gab derganzen Aktion noch mehr Schwung und Ansehen nach außen. Aberdamit war auch das Interesse im wesentlichen erschöpft. Schon dieZusammensetzung der Konferenz ließ erkeuueu, daß es sich mehrum Erhaltung des Bestehenden als um einen Neuban handle; dereinzige Vertreter eines pädagogisch Neueu war ein Unfähiger.Direkt aber al) iro^><zratoi'<z in»le inkormato ack inelius inkorinilnclumzu appellieren fand auf der Konferenz keiner den Mut, und