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Die geistigen und socialen Strömungen des neunzehnten Jahrhunderts / von Theobald Ziegler
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619
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Die Wissenschaft, 619

keit dieser elektrisch-optischen Erscheinung für die Theorie ebensowie für die Anwendung auf die Chirurgie allen sichtbar bor Augeu;uud doch kounte man auch hier an der Art uud Weise, wie sichdie Presse der Sache beinächtigte, Anstoß nehmen: es liegt insolchem Triumphe etwas Verführerisches und etwas Abstumpfendeszugleich und thut auf die Dauer der Wissenschaft nicht gut, welcheStille braucht uud den Lohn ihrer Arbeit allein in sich selbersuchen muß.

Davor sind die Vertreter der Geisteswissenschafteu im wesent-lichen geschützt: ihre Arbeiten und Ergebnisse machen selten dasgroße Aufsehen wie die ihrer begünstigteren Schwestern; aber ebendeswegen sind sie es auch, die vor allein jene Minderschätzung derZeit getroffen hat. lind doch fehlt selbst der weltfremdesten vonihnen, der klassischen Philologie, dieser moderne Znsatz des Sen-sationellen nicht, wenn sie die verlorene Schrift des Aristoteles überden Staat der Athener oder Gedichte von Bacchylides ans demTrockenboden Ägyptens hervorholt. Bedeutsamer sind solche Er-scheinungen im Kreise der Geisteswisseuschasten, wo diese sich mitden allgemeinen Strömungen im Leben der Gegenwart näherberühren und wie sie von ihnen abhängen, so sie ihrerseits beein-flusse». Von der Theologie und Nationalökonomie sehen wir dabeiab, von ihnen war in anderem Zusammenhang schon die Rede.Bei der Jurisprudenz bedarf es nur des Hinweises darauf, wieihr durch die großen gesetzgeberischen Arbeiten der letzten Jahreund dnrch die socialen Bestrebungen immer neue Ausgaben gestelltwerden nnd wie sie sich infolge davon anch wissenschaftlich wandeltund an ihrem ganzen Betriebe Änderungen vorzunehmen hat.Eigentümlicher gestaltet sich dagegen die Sache auf dein Gebiete derGeschichte. Daß uuser Jahrhundert ein historisches ist uud dem-gemäß auch das Studium der Geschichte und die Geschichtschreibungbesonders eifrig geübt und gepflegt wnrd'e, ist schon oft genug gesagt.Im Vordergrund stand dabei die politische Geschichte, ueben derdas andere entweder wie bei Sybel völlig zurücktrat oder der eswie bei Treitschke eingefügt uud untergeordnet, so sehr untergeordnetwurde, daß er anch Dichter, Schriftsteller uud Gelehrte nach ihremNutzen für deu politischeu Erfolg oder gar nach ihrer eigeueu