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Nach 1871: cls sivvlö'.
uäherung, keine Ausgleichung. Es bleibt der Gegensatz zwischen außenund innen; wenn man unserer Zeit den Vorwurf des Mechanischenmacht, so meint man damit, daß es ihr an Innenleben und anSchätzung des Juneren fehle. Und als zweites bleibt der Gegen-satz zwischen Naturgesetz und sittlichem Gesetz. Allzu rasch hatte ihndereinst Schleiermacher beseitigen wollen; er bleibt deshalb, weil derStreit um die Freiheit unausgetragen ist. Das ist der Punkt, um deusich schließlich alles dreht: gilt auch für die Meuscheuwelt und dasMcnschenthun mit allen seiueu Normeu und Werten nnd mit allseiner Jnuerlichkeit die Unerbittlichkeit des Gesetzes, oder bleibt hierirgendwie nnd irgendwo Raum für das Schöpfungswunder derFreiheit, für die Selbstmacht der Persönlichkeit? Dieser Streit wirdbleiben, weil es sich hier um Deutung und Interpretation der-selben Thatsachen handelt; uud welche Deutung, welche Philo-sophie mau wähle, häugt uach einem bekannten Wort von Fichte„davon ab, was für ein Mensch mau ist; denn ein philosophischesSystem ist nicht eiu toter Hausrat, den man ablegen oder an-nehmen könnte, wie es uns beliebt, sondern es ist beseelt durch dieSeele des Menschen, der es hat". Und so wird es auch imzwanzigsten Jahrhundert noch Deterministen und Judetermiuistengeben, Menschen, die zufrieden sind die Welt zu erklären uud dieserErklärung Sandkoru um Sandkorn hinzuzufügen, uud audere, diees sich herausnehmen, uach dem Wozu dieser Welt zu fragen undphantasievoll in das Spiel des natürlichen und des geistigenGeschehens einen Sinn hinein zu interpretieren.
Nicht unerwähnt darf übrigens zum Schlüsse bleiben, daß dieWissenschaft auch in der ganzen Art ihres Betriebs sich als Kindihrer Zeit erweist. Der rastlosen Thätigkeit in Gewerbe und In-dustrie entspricht auch hier der Fleiß und die Betriebsamkeit unsererGelehrten, dem Welthandel dort die internationale Organisationihrer Arbeit, der Aufhäufung von Kapital die Ansammlung frühergeleisteter wissenschaftlicher Arbeit, deren Verwertung ohnedies vondem historisch-traditionalistischen Zuge unseres Jahrhunderts ge-fordert wird. Die Technik steht auch bei ihr in der immer feinerenund geistreicheren Ausbildung und Handhabung der Methode imVordergrund. Nimmt man dazu noch die Bildung von gelehrten