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Die geistigen und socialen Strömungen des neunzehnten Jahrhunderts / von Theobald Ziegler
Entstehung
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Die Musik,

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Kollektivpersönlichkeiten, denen sich der Einzelne in seiner Arbeiteinzufügen und unterzuordnen, denen er zn dienen hat, so erinnertauch das an den Großbetrieb unserer Industrie. Großartigewissenschaftliche Expeditionen, Netze von Beobachtnngsstationen,riesige Sammelwerke, ständige Commissionen zur Erforschung be-stimmter Gebiete sind dadurch, erst möglich. Der Gewinn dieserCentralisation ist klar. Aber sie hat auch ihre Bedenken; die Ge-fahr eines solchen Maschinenbetriebs liegt allerdings, damit hatR. M. Meyer ganz recht, nicht darin, daß dadurch geuiaten In-dividualitäten der Raum versperrt würde: gerade sie braucht man,daß sie an die Spitze treten. Aber daß die nicht-genialen Mit-arbeiter durch diese weitgehende Arbeitsteilung immer mehr zu Hand-werkern undHäuden" ohne, allgemeine Bildung herabsinken unddaß dazu auchdie Methode", die so häufig deu Geist ersetzen muß,das Ihrige beiträgt, ist doch nicht zu verkeuneu. lind wie ansdem Gebiet der Industrie hat auch hier die Konkurrenz allerleihäßliche Begleiterscheinuugeu. Die Schilderung Lagardes ist be-kannt, wie die gelehrte Presse die einem großen Clanhauptun-bequemen, unsympathischen, hinderlichen Menschen nnd Thatsachenje nach Lage der Umstände mit Kot bewirft, vorsichtig immer vonneuem bewitzelt oder ein für allemal tot schweigt". Wenn mauder akademischen Jugend Maugel au Idealismus vorwirft, so sollteman dabei auch ihre akademischen Lehrer nicht ganz vergesseil. Sosteht neben dem Großen viel Kleines und Kleinliches. Aber diesesMenschliche, allzn Menschliche darf nns die Anerkennung und dieFreude am Geleisteten und au dem rüstigen Vorwärtsschreiten derwissenschaftlichen Arbeit nicht raubeu und trüben. Wie in unserenFabrikbezirken die Essen rauchen nnd die Hämmer schwingen, sopulsiert auch iu der Wissenschaft rastlos das Leben, und eineFrende ist es mitznleben und mitzuarbeiten.

Knnst und Poesie: Die Musik.

Ganz anders als die Geisteswissenschaft, die mühsam und

vorsichtig tastend erst Fühlung sucht mit dem Leben und dem, was

neu sich regt in demselben, zeigt sich zn Ende des Jahrhunderts

die Kuust und Poesie berührt von den Schwingungen desGesamt-

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