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Die deutsche Litteratur neunzehnten Jahrhunderts / Richard Moritz Meyer
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Litteratur der Reaktion.

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ein Wort, das wir zunächst nur ganz wörtlich verstanden habenmöchten: bei der Gegenbewegung, wie sie aus einer Bewegung vonder Stärke der demokratischen notwendig entstehen mußte. Es istbezeichnend, daß von ihren litterarischen Vorsechtern kaum einer inden Jahren von 18101820 geboren ist. Dies Jahrzehnt gehört sastganz den Liberalen; oder doch Konservativen von wesentlich reli-giöser Grundrichtung wie Julius Sturm, Leberecht Dreves, MarieNathusius, und Sebastian Brunner . Politischer Dichter ist inerster Linie im Gegenlager nur der einzige Geibel , bis jenseits desJahres 1821 Hilfstruppen anrücken. Denn Victor von Straußund Torney (18091899) aus Bttckebnrg, im Frankfurter Bundes-tag der verbissenste Partikularist, wäre wegen seiner Lieder undTragödien gar nicht zu nennen, wegen seines schwachenFast-nachtsspieles von der Demokratie nnd Reaktion" (1849) oder desOstersvielsJudas Jscharioth" (1855) kaum, aber allerdings wegenseiner musterhaften Übersetzung des chinesischen LiederbuchesSchi-King" (1880). Eine ausgesprochen literarhistorische Luft ist jafast all den Dichtern dieser Zeit Bedürfnis. Sind sie nicht Literar-historiker, so sind sie mindestens Übersetzer. Die eigentliche Blütedieser fast mehr noch im Beschauen als im Schaffen von Kunst-werken lebenden Jahrgänge ist Emanuel Geibel .

Emauuel Geibel (18151884) ist einReaktionär" wederim politischen noch im religiösen Sinne. Kein Gedicht Geibelswiderspricht den Forderungen eines gemäßigten Liberalismus, derin der That sein Bekenntnis war; freilich genügte das in radikalenTagen, um ihn alsHofdichter", als Reaktionär und Obskurantengelten zu lassen. Gleichwohl ist er das Haupt einer Reaktion,aber einer litterarischen, ästhetischen. Das Bedürfnis nach reinerKunst, die Sehnsucht nachSchönheit" wehrt sich gegen die Über-griffe der politischen Tendenz, wie das am klarsten Strachwitz aus-gedrückt hat:

Es trägt die Kunst ihr eisern LoS mit Qualen.Laß, Herr, die Göttliche iu ihrer HoheitNicht untergchu, ein Lpfer der Vandalen.In dieses Meinungsstreits ergrimmter Roheit!

Es ist jetzt Mode geworden, über Geibel verächtlich abzu-urteilen. Man wirst ihm vor, er sei uur eiu Schönmaler;Herman Grimm meinte spöttisch, an Geibel werde die Nachweltlernen, was uns in Deutschland einmal für einen Dichter gegolten