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1840—1850.
schützung der litterarischen Knltur der Typns. Geibel war durchseine Liebe zum Volkslied vor der reineu „Kulturdichtuug" behütetworden; der volkstümliche Zug, die Freude an der singbarenMelodie ließen zwischen seinem Lied und den? Verständnis desVolkes keiue Schranken aufrichten. Schack dagegen war fast einFeind des Volksliedes, jedenfalls der Erste, der sich mutig gegenden allerdings oft bis zur Phrase getriebeneu Kultus der „stammeln-den Volkspoesie" aussprach — darin ein Vorläufer der KunstkritikStefan Georges und seiner Freunde. Schack gleicht den Dichternder Hnmanisteuzeit mit ihrer Verachtung des „vul^ars sloc^uium-;er dichtet nur für die Gebildeten, für die Gebildetsten. Er läßt unsdaher auch kalt wie ein nenlateimscher Poet: die Kunst mögen wirbewnndern, aber wir bekommen kein inneres Verhältnis zu ihr.
Als Persönlichkeit war auch Schack hervorragender denn alsDichter. König Max berief (1855) den gelehrten, vielgereistenmecklenburgischen Edelmann in seine Residenz und keine Bernfuugist für Stadt und Land segensreicher geworden. Der reiche Kunst-freund, der in Lektüre, Übersetzung, Studium längst ein Museum derWeltlitteratur um sich aufgebant hatte („Spanisches Theater" 1845;„Heldensagen des Firdusi. Aus dem Persischen metrisch übersetzt"1851; „Romauzero der Spanier nnd Portugiesen", mit Geibel,1860. — „Geschichte der dramatischen Litteratur und Kunst inSpanien", 1845—1846; „Poesie und Kunst der Araber in Spanien und Sicilien" 1865; „Die englischen Dramatiker vor, neben und nachShakespeare " 1893), errichtete jetzt in seinem Müucheuer Schloßdie schönste und wertvollste Gemäldesammlung, die in Deutschland einPrivatmann besaß, seit die Brüder Boisseree ihre altdeutschen Gemäldenach eben diesem glücklichen München verkauft hatten. Künstler, vonderen Bedeutung weite Kreise noch keine Ahnung hatten, wie Feuer-bach und Böcklin , stellten ihre Bilder neben hervorragende Ver-treter früherer Kunstepochen wie den Phantasie- und gemütvollstender Romantiker, Moritz von Schwiud, und den genialsten derNachklassiker, Bonaventura Genelli. Lenbach kopierte für dieSchacksche Galerie Meisterwerke der alten Italiener. So schuf derfürstliche Mäcen der deutschen Kunst eiue Heimstätte, wie sie siein den Staatsmuseen damals noch vergeblich suchte. Es war docheine schöne Zeit, als der Kultus des Schönen solche Früchte trug,als Böcktins herrlicher „Einsiedler" und Feuerbachs „Hasis an derSchenke" dem deutschen Volk in würdiger Aufstellung zur Schau