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Die deutsche Litteratur neunzehnten Jahrhunderts / Richard Moritz Meyer
Entstehung
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Graf Schack . 371

gestellt wurden, während Ernst Curtius ' berühmter Vortrag überOlympia (1852) die Saat ausstreute, die uns später den Hermesdes Praxiteles ans Licht bringen sollte, oder während im äußerstenNorden Deutschlands ein anderer Edelmann, Fritz v. Fahrenheid, aufseinem ostpreußischen Gut Beynuhncn in großem Sinne die statuen-geschmückten Landsitze Ciceros oder Hadrians nachbildete und demgeistvollen Philologen Karl Lehrs seine pompejanischen Lampen imSchloß zeigte! Man nennt dies jetztalexandrinisch" und willnichts von Nachbildungen der Antike wissen; es war doch mehrals Nachbildung: in Böcklins Landschaften, in Lenbachs Porträtsward es zn wirklicher Renaissance!

Diese Galerie, die Schack dem Deutschen Kaiser vermachte,bleibt sein größter Ruhmestitel. Mag noch so oft Rat und An-leitung Anderer z. B. Heyses, sein dilettantisch schwankendes Knnst-urteil geführt haben die Ausführung war sein Werk, und ineinem lesenswerten Büchlein (Meine Gemäldesammlung" 1884)durfte er mit Stolz die Geschichte seines Museums erzählen. SeineDichtungen aber bilden ein Museum, in dem die Kopien nicht ge-lungen und die Originalwerke spärlich sind. Jene für die ganzeZeit so charakteristische Frende an der bunten Breite der Welt bringthier zu orientalisch greller Farbenhänfnng zusammengedrängte Probenaus aller Welt Enden zusammen. Immer ist er auf Reisen, inseinem gelungensten Werk, der knnstvoll gereimten Geschichts-philosophieNächte des Orients" (1874), wie in den Epen. Inallemalerischen Partien" der Weltgeschichte führt er seine tragischeMuse. Die Formen borgt er sich von allen Seiten. Nur in derLyrik begegnet zuweilen ein eigener Ton (wie in dem schönen Ge-dichte:Wenn flüchtig wir einander nahten, war deine Rede scheuund karg"); in den größeren Werken aber gehört dem Verfassernur eins, das wir freilich nicht gering schätzen wollen: die Grund-anschauung, die feste Überzeugung von dem langsamen, aber stetigenFortschritt der Menschheit zur Schönheit, zur Kultur und Har-monie, die begeisterte Freude an diesem viel geschmähten Säkulumund dem, das ihm folgen soll:

Glorreich herrliches Jahrhundert, das im königlichen FlugReigcnführend du dahinschwebst vor der Menschheit Siegeszug!Ja, Vollender du von allem, was wir hoffend nur geahnt,Denr die Weisen und die Helden jederzeit den Weg gebahnt.

Der Münchener Kreis war überhaupt durchaus beseelt voneinem Liberalismus, der freilich eine leicht aristokratische Färbung

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