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du meine Wehr.") Eine innere Verwandtschaft zog ihn, den roman-tischen Träumer, zur katholischen Kirche , in die er 1845 eintrat.Er hat dann vorzugsweise geistliche Gedichte verfaßt. Dreves istder typische Vertreter äußerlicher Virtuosität. Wie in einer Dorf-kirche das Madonnenbild mit Goldschaum und Silberslittern behängtwird, so überdeckt er seine unselbständigen Gedanken mit klirrendemReimspiel:
Auf den Bergen die Burgen,Im Thale die Saale ,Im Städtchen die Mädchen —Einst alles wie hent;
oder mit der neu auftauchenden Allitteration, die Richard Wagner und Wilhelm Jordan in die Mode bringen sollten:
Weich wehend wie westliche Winde,Sanft säuselnd wie Schilfrohr im See,Labt Liebe uud lächelt nach linde,Wenn Wanne sich wandelt in Weh . ..
Dies jeden poetischen Gedanken übertänbende Reimgeplätscher be-deutet für die Lyrik, was für das Drama die leere „schöue Diktion":ein betrügerisch aus die kahle Wand geklebter Stuck, der beim erstenWindeshanch abfällt und die kahle Mauer sehen läßt. Nur wosich Dreves einmal entschließt, schlicht zu sein, wie iu wenigcuTrauer- und Andachtliedern, da erhebt er sich über den Dilettan-tismus dieser äußerlichen Ornamentation.
Ungleich selbständiger sind zwei Schriftstellerinnen, die denRoman zum konservativen Kampfmittel gegen das revolutionäreLied macheu. Zwar die anonyme Verfasserin des berühmten Zeit-romans , Dritis siorrt, vsus« (1854) knüpfte an jnngdcutscheTendenzepik an, als sie sich in wilden Erfindungen über die ent-sittlichende Wirkung des Subjektivismus erging und dabei dastraurige Eheleben des Ästhetikers Bischer znm Stamm der Ge-schichte machte. Aber Marie v. Nathusius (1817—1857) zeigteeiner Zeit, für die die Psychologie eine unbekannte Gegend wurde,mit seltener Kraft ihr Talent der Menschenbeobachtung. Die Tochtereines magdelmrgischen Geistlichen, begleitete sie ihren Vater aufVisitationsreisen und prägte sich Leben und Art des Landadels undder Dorfbewohner ein. 1840 verlobte sie sich mit Philipp Nathu-sius , dem Sohn eines großen Fabrikherrn, den: „Jlius Pamphi-lius" der Bettina, der nach der Revolution die Leitung des in