Marie r>, Nathusius. 375
war einer der vornehmsten Adelsfamilien Schlesiens entsprossen(geb. 13. März 1822 zu Peterwitz bei Frankenstein), hatte in Breslau und Berlin Jura studiert, in der Hauptstadt aber vor allem im„Tunnel", der berühmten Dichtergesellschaft, Gedichte angehört undvorgelesen. Fontane, Kugler, Heyse, vor allem aber als Haupt-person des Kreises Scherenberg umgaben ihn hier; das kurze epischeGedicht ward vor allem gepflegt, und Strachwitz erntete mit seinenBalladen reichen Beifall. Nach der Heimkehr besuchte ihn (1844)Geibel auf seinem Gut und gab ihm gewissermaßen Privatunter-richt in der Dichtkunst, ohne daß sie zu großer Intimität hättengelangen können. Ans einer Reise nach Italien erkrankte Strachwitzin Venedig und starb auf der Heimreise (11. Dezember 1847) inWien . Aus seinem Nachlaß wurden „Neue Gedichte" (1848) her-ausgegeben, dann (1850) eine Gesamtausgabe, die sein Landsmannund Schulfreund Karl Weinhold mit einer vortrefflichen Einleitungversah.
In der Gruudstimmung berührt sich Strachwitz mit Geibel.Auch ihm ist die Poesie eine priesterliche Kunst und eine patriotische;in der Verehrung Platens begegnen sie sich wie in der Sehnsuchtnach einem starken Deutschland . Auch ihre politischen Stellungensind mindestens eng benachbart. „Strachwitz war ein freisinnigerAristokrat," sagt Weinhold, „der den deutschen Staat wollte, un-abhängig vom Auslande, namentlich von Rußland , stark und einfluß-reich wie unter den kräftigsten der alten Frankenkaiser, und inner-lich fest, gegen die Aufwiegler gerüstet durch Vertrauen zwischenVolk und Regierung." Wenn wir ihn dennoch nicht nebenGeibel, sondern in die vorderste Reihe der antirevolutionärenDichter gestellt haben, so geschah es deshalb, weil die Feindschaftgegen den eigentlichen Träger der Revolution, das liberale Bürger-tum, die Grunduote seiner Poesie ist. Hier ist Strachwitz der echteErbe der Romantik. Glühend haßt er die Mittelmäßigkeit, den„Tod des freien Mutes in Rat und That, in Fried' und Streit",und er sieht sie verkörpert in dem „Ellenkrämcrtum". Nacheiner That verlangt er glühend, daß endlich der Degen Flammensprühe; denn nur durch Blut uud Eisen, dnrch „deutsche Hiebe"kann Germania , das von ihm herrlich gepriesene „Land des Rechtes,Land des Lichtes, Land des Schwertes und Gedichtes" errettetwerden, errettet von all den Gefahren: dem Tartarenzar, den Pfaffen,den Marats . Fast möchte er zuweilen verzweifeln, und die Angst