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1840—1850.
um Deutschlands Zukunft hat nie reineren, volleren Klang gefundenals in dem prachtvollen Gedicht „Der Himmel ist blau" — demschönsten Lied aus Herweghs Schule; denn von Herweghs Kunstder Strophenteilung und des Refrains hat der junge Poet so gutwie von Platen gelernt, während sich Freiligraths Einfluß nur ge-legentlich (wie in der prachtvollen „Jagd des Moguls") spüren läßt,Lenau, Anastasius Grün , Sallet bewundert, aber nicht nachgeahmtwurden. Mit diesen liberalen Dichtern verband unsern romantischenAristokraten vor allem der Haß gegen die Kleinlichkeit der Gegen-wart. Und jene Augenblicke der Verzagtheit waren doch Aus-nahmen; im Grunde der Seele stand die Überzeugung von Deutsch-lands großer Zukunft fest, von der Befreiung durch die That, undals einer der ersten (dem dann besonders I. G. Fischer in einemoft citierten Gedicht folgte) hat er den großen Einiger des Vater-landes prophezeit:
So kommt es, ihr Männer des ewigen Nein,
So kommt's, ihr Tyrannenvertreibcr:
Es wird eine Zeit der Helden sein
Nach der Zeit der Schreier und Schreiber.
Bis dahin webt mit Fleiß und List
Eure Schlingen ineinander;
Wenn der gordische Knoten fertig ist,
Hier haben wir den ganzen Strachwitz: den ritterlichen Feind derSchreier und Schreiber, der tapfer für das Recht des Zweikampfesund jeder kühnen That eintritt, den Patrioten, den Kämpfer.
Diese Lust an der tapfern That ist es auch, die seinen Balladenihre außerordentliche Kraft giebt. Die Geibels nehmen sich danebengar bläßlich aus, und Strachwitz könnte bei seiner Herausforderungder „Zarten" wohl auch an die mißglückte Freundschaft mit Geibelgedacht haben. Der Stiefbruder Sallets hatte ihm die von diesemunternommene Übersetzung der altenglischen Balladensammlung desBischofs Percy verschafft, und hier vor allem hat Strachwitz denstarken Schwertschlag seiner Heldenlieder gelernt, den bei der Nach-ahmung der gleichen Vorbilder Fontane selten, Geibel nie erreicht hat.Das macht: ihn freut an der Ballade nicht das Erzählen, sonderndas Miterleben. Gleich ist er mitten drin im Kampf, schlägt mitDouglas auf das „Heidengesicht" oder reißt das Tuch von derWunde: „Nun grüße dich Gott, Frau Minne". „Es ist im Gangedes Strachwitzischeu Verses ein eigentümlicher Schwung", sagt Wein-