Z78 1340—1860.
ernteten, ging von den Tagesfragen fast unbewegt eine ernste undgroße Frauenseele stolz ihre einsamen Wege. Vielfach zwar berührtsich in ihrer Auffassung der Zeit Betty Paoli (1815—1894) mitStrachwitz. Auch sie hat die Utilitarier gescholten; sie hat ihreBalladen aus dem Lager der Vendse und der Jacobiten geholt ineiner Zeit, da die Legitimität so unpopulär war wie möglich. Abersie hat anch ihre eigene Zeit geliebt:
Ich bin ihr Kind und nicht ihr Richter!In meinen Adern wallt ihr Blnt —
und um ihrer Humanität willen hat sie die „vielgeschmähte Gegen-wart" als echt christlich gepriesen. Denn sie stand wirklich überden Parteien; Alt und Neu verschwanden ihr vor dem Ewigen, unddie eine große Lehre „von des Entsagens herber Seligkeit" schien ihrfür jede Zeit und sür jeden Tag die einzige ewig gültige Forderung.Sie hat Annette von Droste als ihre Meisterin besuugen, und siedürfte es, denn als die große Dichterin starb, war Betty Paoli ihreeinzige Erbin; wie ihr wieder mit vollem Recht Marie von Ebner-Eschenbach die Grabrede hielt und nur sie. Wo aber die frommeTochter Westfalens ihre Zweifel mit dem leidenschaftlichen Willenzu glauben niedergekämpft hatte, da stand der Sprößling andererZeiten und anderer Verhältnisse wehrlos dem Zweifel gegenüber.Sie suchte und fand dann eine Versöhnung in dem christlichenPantheismus des Angelus Silesius .
Elisabeth Glück, wie ihr eigentlicher Name war, ist (30. De-zember 181S) in Wien geboren; von der berühmten „leichten Art"der Wiener hat wohl aber niemand weniger besessen als sie.Dingelstedt gehörte in das „Capua der Geister"; sie schien dahinverbannt, so liebevoll auch Wien sie immer nmhegt hat. Zwei Er-lebnisse haben ihr Schicksal bestimmt — und ihre Poesie. DerVater, ein angesehener Arzt, starb früh und scheint das Herz seinesKindes nicht besessen zu habru, das dagegen leidenschaftlich an derMutter hing. Diese geriet in Armut, als Elisabeth fünfzehn Jahralt war; zugleich bemächtigte sich ihrer eine nervöse Unrnhe, die sievon Ort zu Ort führte. Als die Tochter als Erzieherin (1833—183S)nach Rußland ging, ließ sie die Mutter nicht von sich, und ihropferte sie dann die Stellung, da die alte Frau die fremde Ein-samkeit nicht vertrug. Sie ward in Wien Gesellschaftsdame beider Fürstin Schwarzenberg, der Witwe des Siegers von Leipzig (1843—1848), nnd hat dann, nach längeren Reisen, im Hause einer