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sichten und Schloßtürme stehen, um Anekdoten aus der schottischenGeschichte zn erzählen. Und hier erwacht ihm beim Anblick derschottischen Seen und Wälder die Sehnsucht nach der Heimat. EinColumbus der märkischen Landschaft — deren Prophet Alexis gewesenwar — durchzieht er die Heimatprovinz und schreibt seine „Wande-rungen durch die Mark Brandenburg " (1862—1881), denendann noch als Nachtrab die „Füuf Schlösser" folgten (1863). Esist ein Hauptbuch, reich an kräftigen Schilderungen uud individuellerAuffassung der Landschaft; den Hauptwert giebt ihm doch die Vor-führung des märkischen Adels (mit Einschluß der „lanclecl Zsritr^",der altsässigen Gutsbesitzerfamilien). Dabei liegt es ihm sern, dieseGeschlechter, wie es etwa Gregorovius gethan hätte, aus diesem Bodenhervorgehen zu lassen; seinem realistischen Sinn sind sie es viel-mehr, die dieses Land geschaffen haben. Und mag er sich, hierwie in den Romanen, noch so gern aus dem Lande aufhalten —Hauptstadt und Hof stehen doch immer im Hintergrund und werdengern für die Haupteffekte reserviert. Denn die menschliche Natnrbleibt ihm doch immer interessanter als alle „schöne Natur". Hiersind Klüfte und Abgründe von aufregenderem Neiz als im Gebirge;hier beobachtet man Licht- und Schattenspiele von eigenartigererWirkung als im beglänzteu Wald; hier lassen sich großartigeMonotonie und lebhafter Wechsel besser studieren als an Meer undFluß. Auch in dieser mit den Jahren immer stärker hervortreten-den Borliebe für die ausschließliche Menschenschilderung ist Fontane echt modern. Gelehrt hatte schon Pope, der Mensch sei der eigent-liche Gegenstand für alle menschliche Wißbegier; Goethe hatte escitiert; in dem naiven Fanatismus, mit dem Foutane es durchführt,ist er ein Neuerer. Sicherlich geht er oft zu weit und macht zu-letzt (in „Frau Jenny Treibet") die Natur zu sehr zur bloßeuRequisitenkammer der Handlung; aber so ungeheuer viel ist nocham Menschen zu entdecken, daß dieser Überschwang so verzeihlichist, wie zur Zeit Rousseaus die Abkehr von dem Menschen mitseiner Qual. Denn jene blendende Buntheit der Erscheinungen,in die die ganze Zeit verliebt ist — wo zeigt sie sich reicher als inder Menschenwelt? Damit ist Fontane auch ein Vorläufer Nietzschesmit seiner fanatischen Freude am Leben als einer unerschöpflichenGelegenheit zum Studium der Psychologie.
Er hat sie nie versänmt. Er hat schon seine Eltern eifrigstudiert, dann seine Lehrherren uud Freunde. In Berlin ward