543
1850—1860.
vornehmem Streben, in einer Zeit der kleinen Erfolgmacher einIdealist großen Stils; und hierin besteht auch seine Verwandt-schaft mit Jordan. Sie haben auch äußerlich Ähnlichkeit, hochge-wachsene Gestalten mit ausfallend länglichen Gesichtern, derenSchnitt lange weiße schlichte Haare uud ein kleiner Schnurrbartmit „Fliege" noch mehr hervorheben; nur daß bei Jordan allesbreiter, behaglicher ist, besonders auch sein Auge zufrieden um sichblickt, während Hamerling ein sehnsüchtiges Auge aufschlägt. Wiebei Jordan wurde auch bei Hamerling die Kritik durch die großenThemata geblendet. Wenn aber das ,in wa^nis vokales sat sst'-unter allen Umständen ein bedenklicher Satz ist, so doch vor allembei dem Künstler. Bei ihm darf das Wollen nichts anderes seinals eine Äußerung des Könnens; will er zu viel, so mögen wirden Menschen preisen — der Künstler ist verurteilt.
Robert Hamerling war ein tapferer Lebenskämpser. Er ist(24. März 1830) als Sohn ganz armer Eltern auf dem Dorf (zuKirchberg am Walde iu Niederösterreich) geboren. Mit leidenschaft-licher Sehnsucht nach dem Schönen und Wahren arbeitet er sichdurch ein mühevolles Leben. Als Sängerknabe im Stift Zwettl kann er sich auf einen gelehrten Beruf vorbereiten; weitere Unter-stützungen helfen ihm zum Studium der Philologie und Geschichte inWien , wo er auch in den Tagen der Revolution den Kalabreser undden Säbel der berühmten akademischen Legion trug. Doch hat er,glücklicher als reichsdeutsche Genossen, nntcr der Rachsucht der Reak-tion nicht zu leiden gehabt. Er ging (1855) als Lehrer nach Trieft,schwelgte in den Ferien im Anblick italienischer Städte, vor alleinaber Venedigs, ward aber hier auch zuerst von dem schweren Unter-leibsübel ergriffen, das ihm sein Leben fast so schlimm wie demarmen Otto Ludwig anfressen sollte. Als Dichter und Essayisteifrig thätig, plagte er sich mit dem Lehrerbernf, zn dem er weniggeeignet war, bis der Erfolg seines „Ahasverus" (1866) ihm einefreie Lebensstellung sicherte. Er ging nach Graz und lebte dortstill in unablässiger Arbeit mit seinen Eltern, dann nur mit seineralten Mutter zusammen. Äußerlich giug es ihm nicht so schlimm:das große Ehrengeschenk einer Verehrerin, das durch kaiserlicheGnade erhöhte Ruhegehalt, die guten Ertrüge seiner Schriften,dazu eiue sehr sparsame nnd praktische Wirtschaft — auf die sichder Idealist nicht mit Unrecht etwas einbildete — setzten ihn inganz gute Vermögensverhältuisse. Sein kleines Häuschen war mit: