558 1830-1860.
den Triumph des „Mechanischen" über das „Organische " durcheinen künstlich hergestellten Menschen zu symbolisieren, haben uachGoethe und vor Hamerling Tieck und Jmmermann und andere durch-geführt; auch weiß Hamerling nicht viel Nutzen daraus zu ziehen.Aber diese einfache Fabel giebt Gelegenheit zu so ergötzlichen Er-findungen, wie man sie dem ernsthaften „Sänger der Schönheit",dem pedantischen Selbstkommentator kaum zutrauen würde. Eiuelitterarische Walpurgisnacht führt die Typen der kleinen natura-listischen Gerngroße, der verkleideten Troubadours und Derwische,des feierlich zur Kasse schreitenden Rhapsoden Wilhelm Jordan undder Recensenten recht ergötzlich vor. Mit Ariost durfte sich derAutor eben nicht (wie er doch that) vergleichen; aber unter denNachahmern des „Atta Troll" nimmt er mit dem „Homunculus"eine der ersten Stellen ein und verabschiedete sich so nicht schlechtvon der poetischen Bühne. Auch ihm gelaug am besten, waser aus der eigenen Seele holen konnte: seine Sehnsucht nach demfernen, nie geschauteu Ideal (im „Schwanenlied") — und feiue Er-kenntnis der Künstlichkeit der Gegenwart (im „Homunculus"). Aberwo er realisieren wollte, was er doch nie erblickt hatte, wie im „Ahas-verus" und im „König von Sion" die prachtvolle, in „Aspasia " dieruhige Schönheit — da schuf er mir Lebeu heuchelnde Stöcke, wie (nachseiner Satire im „Homunculus") auch foust noch so viel herum-laufen. Theodor Fontäne hat von einer Darstellerin der Jphigenieeinmal die bösen Worte gesprochen: „Das Land der Griechen mitder Seele suchend — ach, sie hat es nie gesunden!" Auch derDichter der „Aspasia " hat es nie gefunden, weil er es nie mit derganzen Kraft der Seele zn suchen vermochte.
Als direkter Schüler Hamerlings kann der Heransgeber seinesNachlasses, Oskar Lincke (geb. 1853) aus Oranienburg ange-sehen werden. Ein tieferer Einfluß Hamerlings ist sonst auch beiseinen eifrigsten Verehrern kanm zu spüren, was sich aus der Un-fruchtbarkeit seiner Poesie leicht genug erklärt.
Den Kampf zwischen der Lebensfreude und dem Pessimismus,den Hamerling mehr theoretisch ausfocht, hat Heinrich Leuthold (1827—1879) auch in Wirklichkeit durchlebt. Wenn aber Hamerlingaus der Notwendigkeit, dem vollen Lebensgenuß zu entsagen, sich ineine konstruierte Welt der unwirklichen Schönheit flüchtete, stürzteLeuthold bei dem Bewußtsein, die ideale Schönheit nicht zu erreichen,sich um so leidenschaftlicher in den Genuß der Wirklichkeit. Hainer-