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Die deutsche Litteratur neunzehnten Jahrhunderts / Richard Moritz Meyer
Entstehung
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18501860,

gut gefundenen Namen mit lautsymbolischer oder direkt aussagen-der Bedeutung: Dr. Pfingsten, Frau v. Flöte, Hans Unwirsch,Täubrich, Basilides Connexionsky, Brockenkorb, Quakatz, Wübbke,Schlappupp, Ulebeule, Kuackstert, Sliddery, Windwebel, Püterich;zum Schluß ein paar latinisierte: Tillenius, Kokinius, Homi-lius, Buchius und Klufautius dieser, in denGänsen vonBützow", eine Anspielung auf denberühmten mecklenburgischenPapst" Kliefoth. Alle drei Gruppen, besonders die erste unddritte, gehören zu den technischen Hilfsmitteln der Romantikund begegnen uns deshalb ebenso z. B. in Otto Ludwigs An-fängen; aber ihre Häufung bei Raabe geht über das Maßhinaus, das z. B. Hoffmann immer noch innehält. Werdennun obendrein diese Namen an sich, wie gesagt, meist guterfundeu iu ihrer Wirkung noch durch entsprechende oderaber grell widersprechende Vornamen verstärkt, so geben sie alleinschon dem Ganzen das Gepräge einer von aller Wirklichkeit ent-fernenden Ironie; namentlich wenn ein DichterKrautworst" oderein besonders sanfter EhrenonkelPoltermann" heißt. Wohl suchtRaabe diese Namenwelt zu rechtfertigen, indem er wiederholt demNamen ^- B. Kleopheas imHungerpastor ") einen bedeutendenEinfluß auf Charakter und Schicksal der betreffenden Figur zu-schreibt <was ja gelegentlich auch Storm thut): was so wirkt,meint er, müsse doch wirklich sein! Aber eben das ist's: gelegent-lich kommen solche Namen vor, aber so selten, daß sie dann zumSchicksal werden; ihre Häufung gehört einer phantastischen Weltan. Da liegen denn auch Orte, die Grunzenow, Wanza, Kricke-rode, Paddcnnu, Gansewinckel heißen. Und als wäre es mit allden grotesken Benennungen noch nicht genug, kommen auch Spott-nnd Scherznamen wie Stopfkuchen , Kennesiealle, Schlappe hinzuoder Verstärkungen wie Täubrich-Pascha. Nur der Adel, denRaabe nicht liebt, hat meist ganz anspruchslose Namen wie Ein-stein, Lauen u. dergl. Doch nimmt die Namenphantastik und be-sonders die Übertreibung des TypusWassertreter" mit der Zeitab, und imKloster Lugau" (1894) kommt sogar ein I>r. Meyervor, was früher nahezu undenkbar wäre. Raabes Erzählungenselbst haben dagegen durchweg einfache gute Benennungen.

Enger als diese Manier hängt eine störende häusige Eigenheitseiner Komposition mit Raabes Natur und Weltanschauung zusam-men. Ich meine die unzählige Male wiederkehrende Zerstörung idylli-