gig 1880—1890.
jener Zeit der konventionellen Theaterwelt mit ihren rein willkürliche»Gesetzen konnte die Forderung, daß das Leben auf der Bühne mitdem außerhalb des Theaters übereinstimmen solle, gar nicht energischgenug erhoben werden; eine doktrinäre Übertreibung konnte nichtsschaden. Hätte Lessing die Bedeutung der französischen Bühnerichtig erkannt, so hätte er als Kämpfer gegen ihre schädlichen Ein-flüsse schwerlich so viel geleistet.
Mit diesen Tendenzen in den Kreisen der jungen Kritik be-gegneten sich nun die der jungen Litteratur, vor allem jenes nochunklar aber leidenschaftlich begehrenden Friedrichshagener Kreises.Die Brüder Hart, Theoretiker und Dichter zugleich, gewannenschon dadurch eine führende Stellung. Auch in diesen Kreisenherrschte die lebhafteste Opposition gegen die alte konventionelleSchablone, das heftigste Bedürfnis nach einer neuen, vom Wirklich-keitssinne der Zeit erfüllten Kunst. Von hier gingen drei Bahn-brecher des neuen deutschen Dramas aus: Holz, Schlaf undHauptmann; und mit der 1889 begründeten „Freien Bühne " (undder ebenso betitelten Zeitschrift) machten Brahm und Schlentherdie Träume der jungen Revolutionäre zur Wirklichkeit. Seitdemgab es ein naturalistisches Drama.
Holz und Schlaf sind uns fast ein mythisches Zwillingspaargeworden, wie die Brüder Goneourt, oder wie Erckmann undCtMrian, die sich auch später miteinander überwarfen. In Wirk-lichkeit sind es zwei recht verschiedene Naturen, die hier zusammen-kamen; nur der Ehrgeiz, etwas Neues schaffen zu wollen, und dierücksichtslose Bravour des Auftretens war bei beiden gleich. Aberdas waren allgemein jüngstdeutsche Eigenschaften.
Arno Holz (geb. 26. April 1863 in Rastenburg in Ost-preußen ) begann als Schüler Geibels. Noch nach seiner Loslösungvon der alten Tradition zeigen seine Rhythmen und die tönendenWorte etwa von den Gürten des Okeanos („Buch der Zeit" 188S)den Einfluß des Sängers, den er so begeistert gepriesen hatte:
Und jetzt in einer Zeit der Gärung,Der schon das Blut zu Eis gerinnt,Weil sie in eitler SelbstverklärungDen Turmbau Babels neu beginnt:Wer schickt sie aus, die Friedenstaube,Wer bricht das Brot und trinkt den Wein?Tu bist es, du, du und dein Glaube,Dein Glaube an ein GotteSsein