Es ist die reifste Formulierung, zu der die junge Schule ge-kommen ist. Der Dichter will auf den Hörer wirken, wie die Natnrauf ihn; nur reiner, abgerundeter will er die Stimmung wieder-geben. Er will, um dies zu erreichen, ein Stück Natnr werden, mitseiner Eigenart aufgehen in das Leben.
Revolutionär ist an dieser Formel nur das unbedingte Auf-geben jeder Stosfwahl. Wir sollen nicht wählen, urteilen, preisenund verdammen; wir sollen mitleben. Thatsächlich ist Schlaf zusehr Dichter, um dieser falschen Gleichmacherei zu gehorchen. Erschildert („In Dingsda") ein Dorf im Mondlicht: „So ärmlich,niedrig, gemein alles, wenn es der Tag ins Helle bringt. Die stau-bigen Wege, die rissigen, wetterverwaschenen Lehmmauern der Käthenund Ställe; die Menschen: häßlich, schmutzig in ihrem groben All-tagskleid, niedergedrückt von der Last ihrer Arbeit; die hundertLaute emsigen Lebens, aufdringlich, wirr, verwirrend alles in seinerdürftigen Enge. Und nun weitet sich's in großen, ruhigen Linienso wunderlich in die atmende Nacht hinein..." Man sieht: aucher wählt, urteilt. Denn er ist Dichter.
Aber zu dieser Reife war er noch nicht gelangt, als er ineiner kleinen „Bude", die „luftig wie ein Vogelbauerchen mittenüber einer wunderbaren Winterlandschaft hing", bis an die Nasein große rote Wolldecken eingemummelt eine Stunde von Berlin Arno Holz am Schreibtisch gegenüber saß. Holz war auf dem merk-würdigsten Wege, durch barocke Vermischung von Spekulation undkindlicher Empirie, zu seiner Formel gekommen. Von der Schiefer-tafel, auf die ein Junge einen „Suldat" gezeichnet, las er sie ab:„Die Kunst hat die Tendenz, wieder die Natur zu sein. Sie wirdsie (!) nach Maßgabe ihrer jedweiligen Reproduktionsbedingungenund deren Handhabung." Eine Erklärung, deren schauderhafterStil mit ihrer Richtigkeit oder Brauchbarkeit auf gleicher Höhe steht.Denn es hat eben zahllose Epochen gegeben, in denen die Kunstnichts angelegentlicher anstrebte, als von der Natur verschieden zusein. Die umgekehrte Behauptung, wie sie viele philosophischeÄsthetiker aufstellen, daß nämlich die Natur beständig die Tendenzhabe, Kunst zu werden, ist zwar auch einseitig, aber doch tausend-mal tiefer, wahrer, brauchbarer als die zerbrechliche „neue Tafel",die uns Arno Holz gegeben hat.
Aber er war in seinem flinken Gesetzgebungsvermögen und derdurch individuelles Empfinden nicht beirrten doktrinären Kritik