Spätere Werke von Holz und Schlaf.
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Bummler-Komödien von „Mattre Pathelin" (um 1450) bis zuNiebergalls „Datterich" stellt. Aber er hatte unendlich viel Neueshinzuzubringen; bei ihm erst wurde aus der Kombination zweieralter Kunstformen — des komischen Lokalstückes und der „gebil-deten" Tragödie — ein wirklich neues Drama.
Die litterarischen Brüder Holz und Schlaf gingen nach demGipfelpunkt ihrer gemeinsamen Arbeit bald verschiedene Wege. Nureine mißglückte Nachahmung Wilhelm Busch's („Der geschuudeuePegasus" 1892) ist noch ihr gemeinsames Werk. Johannes Schlaf vertiefte seine realistische Dramaturgie zu dem packenden Seelcn-gemälde „Meister Oelze" (1892), in dem er einen Über-menschen der unteren Stände in tödlichem Ringen um das Ge-heimnis seines Lebens vorführt, wie er trotz allen Bedrüngungendurch Schmeichelei und Bedrohung siegreich bleibt. Dann, alsnnter dem Eindruck Liliencrons und der späten Nachwirkung desAmerikaners Whitman eine neue impressionistische Lyrik sichihre Formen schuf, fand sie den mitfühlenden Naturbewundererlängst gerüstet, der „in Dingsda" einem beliebigen armen EckchenWelt intime Reize abgewonnen hatte;, sein „Frühling" (1896),von Dehmel überschwenglich gefeiert, bedeutet wohl den Gipfeldieser an sich extremen Richtung. Im Drama dagegen konnte er,der immer nur Zustünde wiedergiebt, sich nicht auf der Höhe be-haupten, als man wieder strenger auf Handlung und Verknüpfungsah: „Gertrud" (1898) wurde nur ein schwaches Exemplar jenerBrasilianerdramen, die um jene Zeit Mode sind. — Arno Holz seiner-seits bewährte auch nach 1892 noch sein Geschick, herrschende Ten-denzen zu übertreiben. Als der literarsatirische Roman zur Lieb-lingsgattung wurde (Niemann „Lorbeer" 1894; Marie v. Ebner„Bertram Vogelweid" 1896, „Alte Schule" 1897; Heyse „Abenteuereines Blaustrümpfchens" 1896; Bierbaum „Stilpe" 1897, „Kaktus"1898 u. a.), übertrug er sofort seine Manier in das porträtierend-realistische Drama („Socialaristokraten" 1896, mit Zerrbildernvon Wille, Mackay n. a.); als Liliencron, Schlaf, Ernst die „freieLyrik" in Schwnng brachten, spitzte er die Gattung bis zu denherausfordernd-formlosen, patzig-Prosaischen Improvisationen seines„Phantasus " (1898) zu. Er gehört zu den Leuten, die die bestenTendenzen durch ihren eiteln Übereifer und ihre unkünstlerischc,doktrinäre Zuspitzung zu kompromittieren verstehen; und indem ervom Geibel-Kultus bis zur Whitman - Manie ein halb Dutzend