Maria" 1893) versucht. Fast hat man den Eindruck, als lägen alldie Tendenzen und Begabungen der neuern Schule in ihr ganz un-vermittelt nebeneinander, wie Werkhölzer, bald so, bald so zu kombi-nieren; ein Ganzes ist nur in „Dämmerung " daraus geworden.
Georg Hirschfeld (geb. in Berlin 1873) hat seinem Schau-spiel „Agnes Jordan" als Schlußaccord ein merkwürdiges lyrischesSelbstbekenntnis nachklingen lassen.
Ich hab' ja das Leben so lieb, sagt der elegische junge Komponist — ichweiß, wie stark das Leben ist... . aber mein Bestes ist doch nnr immermeine Sehnsucht .... Ich habe den Menschen von meinen Schmerzen ge-geben, das hat sie gerührt — für mich war es nichts, ich hab' mein Herzverschwendet, ohne zn empfangen, ohne froh zn sein. Ich möchte jetzt einanderes Lied, ein neues Lied, ein Lied der Jugend geben. Ich möchte ihnensagen, wie jung ich bin — ein starkes Lied . . . o das wird nicht kommen.— Nie. Ich habe Sturm in mir, aber keine Lieder.
Ein tiefes Wort; es paßt nicht bloß ans ihn, auf viel Größerepaßt es. Nietzsche hatte Sturm in sich — und es wurden Lieder;bei zu vielen der Epigonen, nicht nur bei der immer aufgeregtenAnna Croissant-Rust (geb. 1860) hört man nur Wind.
Von Hirschfeld gilt das letzte nicht. Seine Sehnsucht ist dasBeste; es ist nicht die eitle, kleine, egoistische Sehnsucht einer Dilet-tantensecle — dieser Jüngling mit dem zarten Kindergesicht, gleich-sam einer Transponierung von Hauptmanns Kopf aus Dur in Moll,fühlt die starke Sehnsucht des echten Dichters. Große Vorbilderumgeben ihn. Er ist nicht nur der persönliche Schüler GerhartHauptmanns — er ist ihm auch geistig verwandt. In den No-vellen „Dämon Kleist" (1895) ist Kleist für ihn, wie sonst Byronfür die junge Generation, der Typus des genialen Dichters. WieBleibtreu, Hauptmann, Walther Siegfried ihre Helden nach dembritischen Lord modeln, so läßt Hirschfeld hier einen Epigonen desmärkischen Poeten Schicksal nachleben. Es ist viel Unklarheit in demBuch, und die gefährlichen sentimentalen Faktoren — Schwindsucht,Schande der Eltern, Nervenfieber — werden unkünstlerisch gehäuft.Die Sprache ist noch oft geschraubt, die Nebenfiguren bleiben kon-ventionell; aber das tiefernste Mitleben des Autors mit dem Leidseines einsamen Dulders erhebt den Erstling doch über viele seines-gleichen. — Noch einmal trat Hirschfeld als Erzähler auf: in derseltsamen tragischen Idylle (um Bourgets Ausdruck anzuwenden)„Der Bergsee" (1896). Es ist der mißglückte Versuch eines Natura-listen, sich ganz in den Symbolismus hinüberzusteuern.