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gg2 1890—1899.
„zur Zeit der großen Maler" und der großen Lebenskünstler.Der Held ist ein kranker Don Juan der geistigen und sinnlichenGenüsse; das Leben ist ihm nur ein Gefäß, das bis an den Randvollgestopft werden soll voll starker Eindrücke. Selbst der Sturmder Buße, den der Asket entfesseln will, ist ihm willkommen alsein neuer Eindruck:
Es giebt noch Stürme, die mich nie durchbebt!Noch Ungefülltes kann das Leben schenken!
Die reizende Lüge ist ihm so lieb wie die scharfe Wahrheit.Übervoll ist die Welt an lockenden Möglichkeiten wie eine Küste vollverführerischer Landnngsstellen:
Da lockt mich eine Bucht, die, sanft geneigt, ,
Tiesdunkel, schläfrig plätschert, dichtumzweigt;
Die nächste ist von Felsen überhangen,
Erfüllt von reizvoll rätselhaftem Bangen?
Die nächste wieder schwankt hernieder mächtig
Und öffnet sich zur Lichtung weit und prächtig.
Schwer ist die Wahl, und verlieren will er nichts. Und ver-lieren will er keinen Moment, jeden auskosten in seinem ganzenInhalt, jeden künstlerisch genießen, in der richtigen Stimmung,ein geeignetes Echo in jeweilig wechselnder Umgebung zur Seite.Und verlieren will er auch keinen schon durchlebten Moment: reinund klar abgeschlossen soll jeder im Reliquienschrein der Erinnerungruhen, mit seinem vollen Duft, nicht verdorben durch Neue, durchschmerzliche Nachempfindung. So soll die ganze Welt dem uner-sättlichen Bedürfnis seiner Seele dienen, alles ihm helfen, daß dieStimmungen seiner ruhelosen Seele zu vollen Erlebnissen werden.
Dieser Typus, dieser Manfred der Dscadence, unglücklich, nichtweil er zu viel genossen, sondern weil er nicht genug genießen kann,er bleibt die Hauptfigur der Dramen Hofmannsthals . Ein wunder-volles Zustaudsbild fällt aus der Reihe: „Der Tod Tizians "(1892), die Feier einer reich und voll ausgelebten Existenz. Aber„Der Thor und der Tod" (1894) birgt in den Klagen des Thoren ^Claudio die gleiche Melancholie über versäumtes Leben. Glücklicherals der traurige Weise, der nicht zu seinem noch zu anderer Glückentsagt („Die Hochzeit der Sobeide" 1399), ist deshalb der „Aben-teurer" (1899), der um die Wirklichkeit ein Netz goldener, süßer,grundloser, sinnloser Lügen spinnt, der aber niit jeder Faser seinesHerzens die Wirklichkeit durchlebt, die Wonne, in seinem geliebten
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