Druckschrift 
Albert Ballin / Bernhard Huldermann
Entstehung
Seite
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Um die Verhältnisse, unter denen die Firma sich emporzu-arbeiten hatte, zu verstehen, muß man sich vergegenwärtigen,daß zu jener Zeit, Ende der 70er Jahre, die HamburgischeReederei noch in den Kinderschuhen stand, und in ihrem Hei-mathafen keineswegs die beherrschende Stellung einnahm, diesie später errungen und erst im Kriege wieder verloren hat.Die gegenwärtige Zeit, in der fremde Flaggen und fremdeReedereien vorherrschen, entspricht ungefähr dem Bilde jenerZeit vor fünf Jahrzehnten. DieHamburg -AmerikanischePacketfahrt-Aktien-Gesellschaft", auch damals schon die be-deutendste Hamburger Reederei, obwohl ihre Linien nur Nord-und Mittelamerika mit Hamburg verbanden, war im inter-nationalen Verkehr nur eine bescheidene Größe, zudem geradedurch einen erbitterten Konkurrenzkampf mit der Adler-Linie,der in den 70er Jahren stattgefunden hatte, geschwächt undin der Entwicklung ihres Lchiffsmaterials zurückgeblieben. Dieübrigen, später bedeutend gewordenen Hamburger Linien exi-stierten noch gar nicht oder hatten schwere Jugendjahre durch-zumachen. Mit der Packetfahrt konkurrierten im Auswanderer-geschäft neben dem Norddeutschen Lloyd , der Holland-AmerikaLinie in Rotterdam und der Red Star Line in Antwerpen auch die englischen Linien stark mit der sogenannten indirek-ten Passagierbeförderung über Hamburg . DiesePassagiere, die von den Agenten der englischen Linien ge-worben waren, wurden von Hamburg nach England und vondort mit transatlantischen Dampfern weiterbefördert. Es wardie Zeit, in der Deutschland, vor seiner Industrialisierung,seiner wachsenden Bevölkerung keine genügende Arbeitsgele-