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Tatsache, daß nacheinander große englische Reedereien erst dendeutschen, dann den amerikanischen zum Kauf angeboten wur-den, erscheint heute kaum glaublich. Sie erklärt sich dadurch,daß die Unternehmungslust in England sich ganz überwiegendauf das Gebiet der sogenannten Trampreederei, d. h. derSchiffahrt in wilder Fahrt, geworfen und die von denDeutschen besonders gepflegte Linienfahrt stark vernachlässigthatte, so daß in dieser Linienfahrt auch ein ausgesprochenerMangel an führenden Persönlichkeiten vorhanden war; ebenderart, daß das Übergewicht im transatlantischen Verkehr gänz-lich an eine amerikanisch-deutsche Vereinigung überzugehendrohte. C>b es tatsächlich bei einem rascheren Zugriff möglichgewesen wäre, dem Trust das fehlende englische Glied einzu-fügen, ist heute natürlich nicht mehr festzustellen. Die Gefahraber, die damals der englischen Schiffahrt drohte, und der großedeutsche Erfolg hat nicht nur die öffentliche Meinung in Eng-land , sondern auch die Lchiffahrtskreise selbst gewaltig aufge-rüttelt. Es folgte eine Periode des Aufschwungs der eng-lischen Linienschiffahrt, die zu einer derartigen Ausbildungführte, daß diese die Trampschiffahrt weit in den Hintergrunddrängte und gleichzeitig eine Konzentration in wenigen großenGebilden herbeiführte, die heute die englische Schiffahrt zueinem großen Teil beherrschen. Von den großen deutschen Ge-sellschaften unterschieden sich diese Gebilde dadurch, daß sienicht allmählich aufgebaut, und Hand in Hand mit einer Zunahmedes Seeverkehrs organisch gewachsen waren, sondern daß siefinanzielle Zusammenschlüsse darstellten. Die englische Schiff-fahrt wurde, wie Ballin es einmal ausdrückte, »parzelliert".
Huldermann, Ballm 7