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Albert Ballin / Bernhard Huldermann
Entstehung
Seite
119
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mit dem deutschen Hinterland. Nimmt man hinzu, daß auchden skandinavischen Häfen ein gewisser Einfluß auf den deutschen Verkehr möglich ist, und ein noch viel stärkerer auf das Hinter-land der deutschen Häfen in den Gebieten um die Gstsee, so hatman auf dem Verkehrsgebiete eine vollkommene Parallele zudem Gebiete der Politik, auf dem seit Jahrhunderten ein Kampfder Nachbarländer um die Hegemonie in Deutschland und Mittel-europa tobt. Diese Tatsache ist der eigentliche Grund undAntrieb für die Ballin'sche Vertragspolitik gewesen, ohne diedas Chaos auf dem Verkehrsgebiete in Permanenz erklärtworden wäre.

Än diesem Kampf um den mitteleuropäischen Verkehr spielteAntwerpen infolge der Eigenart des Platzes eine besondereRolle. Antwerpen hatte keine bodenständige Reederei vonsolcher Bedeutung wie die seiner Nachbarländer. Im Geschäftdes Platzes spielte der Durchgangsverkehr die größte Rolle,der Durchgangsverkehr sowohl aus dem belgischen wie namentlichaus dem deutschen Hinterlands. Eine große Zahl bedeutenderLpeditions- und Lchiffsmaklerfirmen war in Antwerpen ansäss g.Die Natur ihres Geschäftes brachte es mit sich, daß niemalsRuhe und Stetigkeit im Antwerpener Lchiffahrtsleben eintrat,sondern ständig neue Erscheinungen und neue Unternehmungenauftauchten. Hinzukam, daß Antwerpen der Anlaufhafen fürReedereien aller Flaggen, namentlich der englischen und deutschen,war, denn aus dem Hinterlands kam das für die Beladungder Schiffe außerordentlich erwünschte Lchwergut in um sostärkerem Maße, je mehr die Aufschließung der überseeischenGebiete durch Eisenbahnen und industrielle Unternehmungen