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daraus angewiesen, die Kartoffel sich von Java und die Gemüse vonMulsow in Hamburg zu holen. Von diesem Revers der Medaille hakmein alter Geographielehrer, der nie müde wurde, den Bodenreichtumdieser britischen Kolonie zu preisen, jedensalls nichts gewußt.
Singapore ist ein mächtig aufstrebender Stapelplatz für den Handelim Gsten, es hat den Verkehr von Niederländisch-Jndien, von Britisch-Borneo, von den Philippinen und den sogenannten Native Stateszum guten Teil über seinen Hafen gelenkt. Das konnten, natürlichmit Hilfe der Reedereien, energische und kluge Kaufleute zuwegebringen, und unter diesen Kaufleuten Singapore's — man darf es mitStolz aussprechen — spielen heute die Deutschen die erste Rolle.
.In Saigon haben wir 1'/, Tag zugebracht. Die Fran-
zosen haben die Stadt mit außerordentlichem Geschick angelegt und siebesitzen jedenfalls in Cochin-China eine außerordentlich wertvolle Pro-vinz. Der Unterschied zwischen dem französischen und dem englischenCharakter ist in Saigon am besten dadurch dokumentiert, daß manmit einem Kostenaufwande von 2,5 Millionen Franken ein prächtigesTheater erbaut hat. Das hätte den Engländern nie passieren können,die hätten sicherlich das Geld in dem Bau von Klubhäusern und Renn-bahnen angelegt.
1S. Februar 1901.
.Die deutsche Kolonie von Hongkong gibt derjenigen von
Singapore an Lebenslust und Geselligkeit nichts nach, an der Spitze indieser Beziehung und überhaupt in der Repräsentation steht das Hausder Familie Liebs. Herr Liebs, der Seniorchef des Hamburger HausesSiemffen öc Co. ist seit einer großen Reihe von Jahren, ich glaube anzweiundvierzig, im Gsten, wo er eine ganz außerordentlich prominenteStellung auch in den besten englischen Kreisen einnimmt. Dazu hatneben seiner großen Erfahrung in allen China betreffenden kommerziellenVerhältnissen und seiner eigenartigen Leutseligkeit und Hilfsbereitschaftseine liebenswürdige Gattin ein gut Teil beigetragen, die durch einevornehme Gastfreiheit und einen musterhaft aufgezogenen Hausstand