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Ein alter Mann, der mich mit seinen Edelsteinen verfolgte, und denich abzuweisen versuchte, sagte mir in seinem unnachahmlich singendenTone, in welchem die Leute das Englisch sprechen: «Gh, fasse diesenStein nur einmal an, du sollst ihn nicht kaufen, ich will ihn ja nuraus deiner glücklichen Hand zurückempfangen." Dabei sind die Kerledie größten Gauner. Als ich für einen Bogen voll von alten Ceylon-Briefmarken, für welche der Händler mir 15 Mark als denjenigenPreis nannte, bei welchem er noch 5 Mark aus seiner Tasche zusetzenmüßte, schließlich, um ihn zu verscheuchen, 2 Mark bot, überreichte ermir den Bogen mit den Worten: »So, nimm ihn, ich weiß, daß dasGpfer, welches ich dir bringe, mir zu einem Segen werden wird."Später fand ich aus, daß der Mann die gleichen Marken einem Reise-genossen unter ähnlichen Versicherungen für 50 Pfennige verkaufthatte. Auch eine der Segnungen der Kultur!.
.Am Nachmittag machten wir eine herrliche Fahrt nach
Mount Lavinia, einem schönen auf einer Anhöhe mit dem Blick überdas weite Meer belegenen Hotel. Bildhübsche Kinder, schlank undflink wie die Gazellen, verfolgten bettelnd unseren Wagen. Sie wissenmerkwürdig gut die Deutschen von den Engländern zu unterscheidenund kramten also für uns ihre deutschen Sprachkenntnisse aus. »C> meinVater! Meine schöne Mutter! Du bist eine große Lady! Gib mir10 Cents, guter Gnkel!" Wir waren ganz erstaunt, auf eine so zahl-reiche Nachkommenschaft hier zu stoßen.
2. Februar ISO!.
.Die Einfahrt in den Hafen von Singapore ist von
seltener Schönheit, zwischen im herrlichsten Grün prangenden kleinenInseln windet sich das Schiff hindurch, fast zwei Stunden fahren wir
so, ehe wir in den eigentlichen Hafen gelangen. Die Ver-
pflegungsvcrhältnisse sind in diesem Teile der Tropen außerordentlichschwierig, das Abermaß tötet auch hier. Die überreiche Fruchtbarkeitdes Bodens macht es unmöglich. Gemüse und Feldfrüchte zu bauen,in wenigen Tagen schießt alles ins Kraut, und so ist man hier draußen