Druckschrift 
Albert Ballin / Bernhard Huldermann
Entstehung
Seite
124
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Stunde gastlich geöffnet hatten und bereit waren, im Zeichen des Verkehrsan unseren harmlosen Passagieren ihre Zähigkeiten zu erproben.

Zwischen Aden und Colombo, 24. Januar 1901.

.Vor Aden hatten wir nur kurzen Aufenthalt, und die für

Schiffe, welche von Port Said kommen, dort bestehenden (Quarantäne-vorschriften machten einen Besuch der Insel für die Passagiere derKiautschou" unmöglich. Schattenlos, zwischen kahle Felsen geklemmt,sieht man den Grt vor sich liegen, den die Engländer zu einem zweitenGibraltar ausgestalten möchten. Zesiungsarbeiten sieht man über dieganze Insel. Es muß ein trostloser Aufenthalt für Europäer sein.DesTeufels Punsthkessel- nennen es die englischen (Offiziere, für die eineVersetzung nach Aden gleichbedeutend sein muß mit einer Verbannung.

28. Januar 1901.

.... Wir haben inzwischen am 25. Januar einen genußreichenund für immer unvergeßlichen Tag in Colombo verlebt. Der Lotsebrachte schon die Nachricht an Bord, daß die Königin Victoria gestorbensei, eine Meldung, die unsere lebhafte Sympathie und unter den englischenPassagieren eine große Trauer erweckte. Gegen 9 Uhr morgens begabenwir uns an Land und ich machte, da die Bureaus in Colombo erst nach10 Uhr geöffnet zu werden pflegen, und ich so meine geschäftlichen Be-suche noch nicht ausführen konnte, zunächst eine Wagenfahrt durch dieherrlichen parkartigen Anlagen, welche die Stadt umsäumen. In denprächtigen Rahmen passen auch die Menschen hinein, die einst die Gebieterdieser fruchtbaren Insel waren, während sie jetzt unter den Segnungender Kultur die Knechte der Europäer geworden sind.

.In dem alten Griental-Hotel, nach welchem wir uns zum

Luncheon begaben, trafen wir eine Anzahl unserer Reisegenossen imeifrigsten Handel mit den dort befindlichen singhalesischen und in-dischen Kaufleuten, welche sich bei Ankunft der Postdampfer auf denTerrassen der Hotels zu etablieren pflegen. Es ist das ewig gleicheBild des orientalischen Handels, nur daß die Händler hier eine sich nieverleugnende, offenbar angeborene Grazie und Ritterlichkeit bekunden.