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wieder zu einer Bedeutung gelangt. Nun hat man vor etwa 2 Zährenden Platz den Fremden geöffnet, und die Mächte haben sich beeilt, Kon«sulate hier zu errichten, einmal in der Hoffnung auf eine neue Entwick-lung der Stadt, dann aber auch, weil ein Vizekönig in Nanking seinenSitz hat.
Der liebenswürdige deutsche Konsul, Herr von Gertzen, der unsdie gastfreundlichste Aufnahme bereitete, hat vorläufig über eine deutscheKolonie zu wachen, die — sage und schreibe — aus einer Person be-steht. Dieser junge Deutsche, der im chinesischen Jolldienst angestelltist, befindet sich natürlich unter solch intensivem staatlichen Schuhe sehrwohl, er raucht des Konsuls Zigarren und hatte ihn auch in Moselweingerade lenz getrunken, so daß die „Libiria" just in Zeiten kam, um einerBeschwerde der deutschen Kolonie von Nanking über mangelnde Vor-sorge des Reichs vorzubeugen. Der Konsul meinte, daß wir eine sochinesische Stadt, wie die innere Stadt von Nanking , nie wiedersehenkönnten, und deshalb mußten wir wohl oder übel eine Expedition durchden Grt unternehmen.
Ich habe in Jaffa und Jerusalem Schmutz und Elend gesehen, abereine solche Konzentration von Schmutz und Elend wie in Nanking istdort bei weitem nicht erreicht. Meine Frau und eine junge Dame, dieuns auf unserer Jangtse -Reise eine liebenswürdige Reisegenossin war,wurden in echten Mandarinensänften getragen, voran ritt der Dol-metscher des Konsulats, und wir anderen folgten hoch zu Esel auf chi-nesischen Sätteln, die ihrer Härte wegen einen Anspruch darauf haben,zu den Folterwerkzeugen gerechnet zu werden.
Durch ein Gewirr von unsagbar engen Gassen, in welchen Menschenund Tiere sich vorwärtsschoben, ging der Weg. Jammernd lagen blindeund verkrüppelte Menschen vor ihren offenen Hütten, und die Zahl dermit Gebrechen behafteten schien fast größer als die Zahl der Gesunden.Als wir vor dem großen Tempel des Konfuzius hielten, und unsereDamen den Sänften entstiegen, drängten die sonst so furchtsamenMenschen hinter uns her, weil der Anblick europäischer Damen und