Druckschrift 
Albert Ballin / Bernhard Huldermann
Entstehung
Seite
133
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wunderbarerweise baut sie der Japaner, der sonst alles nachahmt, waser in Europa gesehen, auch heute so, wie seine Vater es ihn gelehrt.Man sieht nur selten ein Fenster, dafür werden die luftlochartigenÖffnungen in den Häusern mit in Rahmen gespanntem Papier verdeckt.Anstatt der Türen hat man nur hin« und herschiebbare Gitter, und alleswird bei Tage sperrweit offen gehalten, so daß man die ganzen Räumevon der Straße aus zu übersehen vermag. 2m Sommer aber zieht derJapaner überhaupt mit Kind und Kegel auf die Straße, und man er-zählt uns daß dann die intimsten Familienszenen sich im Freien ab-spielen. Es will mir scheinen, als sei es nicht ein Mangel an Moral,sondern im Gegenteil, eine hochentwickelte Moral, wenn an und fürsich natürliche Vorgänge als solche auch aufgefaßt und deshalb demLichte der Sonne nicht entzogen werden!.

.Am 2Z. März, S Uhr vormittags, kamen wir in Kobe an,

wo wir für mehrere Tage Aufenthalt nehmen müssen.

Unsere Reise nähert sich schon ihrer Beendigung, wenigstens habenwir das angenehme Gefühl, daß die Heimat uns nun näherrückt. Wiewerden wir sie wiedersehen? Fast auf jeder Station dieser großen Fahrthat eine Trauerbotschaft uns ereilt, und unser Aufenthalt in Kobe warganz unter den Eindruck gestellt, den der Verlust meines altenLaeisz ausübte. Daß ich heimkehrend seinen Platz leer finden soll,will mir noch immer nicht in den Sinn.

Was ist das Leben sprich,

Gib schnell mir den Bescheid,

Hingeben was dir lieb,

Hinnehmen was dir leid!" ....

Ich lasse nunmehr einen Auszug aus den geschäftlichenBerichten folgen und schicke eine Aufzeichnung voran, dieBassin über die Resultate seiner Reise gemacht hat. Esheißt darin: