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2 n dem Auf und Ab der geschäftlichen Konjunktur bildetedas Jahr 1908 für die Reederei einen Markstein miteinem Tiefpunkt, der in seinen Folgeerscheinungen nur mit derCholerazeit vergleichbar ist. Bereits im zweiten Halbjahr 1907brach die bis dahin glänzende Konjunktur zusammen, über dieganze Welt verbreitete sich eine in solchem Umfange und solcherAllgemeinheit seltene wirtschaftliche Depression. Kein Zweigdes Reedereigeschäfts, weder Fracht noch Passage, blieb davonVerschont, zu Hunderten sammelten sich die beschäftigungslosenDampfer in den großen Häfen an. Auch in den Hafenanlagender Hamburg-Amerika Linie in Kuhwärder lagen sie reihen-weise angebunden. Mit der schärfsten Sparsamkeit in denAusgaben suchte Ballin dem gewaltigen Ausfall an Einnahmenzu begegnen, keine Ausgabe, und war sie noch so klein, dienicht unbedingt nötig war, wurde bewilligt, immer und immerwieder die Abteilungsleiter darauf hingewiesen, daß größteSparsamkeit im Betriebe und die wirtschaftlichste Ausnutzungdes Dampfermaterials das Gebot der Stunde sei. Trotzdemließ sich eine Rentabilität nicht erzielen, das Unternehmenmußte für 1908 auf die Verteilung einer Dividende verzichten.Auch die Bautätigkeit wurde eingestellt, ein großer Passagier-dampfer, der bei Harland L Wolfs gebaut werden sollte,annulliert.
Langsam begann dann im Jahre 1908 eine Besserung, diesich bald verstärkte, so daß die schlimme Zeit schneller über-wunden wurde, als man geglaubt hatte. Sie hatte zudem dasGute gehabt, daß sie die Reedereien allesamt bereitwilliger zuVerständigungen machte und die Konkurrenzen verschwinden