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die ein Drittel der bewohnten Erde beherrsche und diese Herr-schaft sich erhalten wolle, könne auf eine überragende Stellungzur Lee nicht verzichten — jedenfalls vom englischen Stand-punkt aus richtig sei, und darum von England bis zur äußerstenKonsequenz durchgefochten werden würde. Darum erschien ihmauch hier das Kompromiß in Gestalt einer englisch-deutschen Verständigung das gegebene. Daß der Ge-danke nicht durchdrang, lag wohl — von persönlichen Mo-menten abgesehen — daran, daß in Deutschland nicht „derGedanke des Kompromisses" der vorherrschende war, sondernneben Unkenntnis der Außenwelt und ihrer Eigenart die Über-schätzung der eigenen Kraft. Beide Eigenschaften sind typischfür die beiden in Deutschland damals dominierenden Faktoren,das, was man Altprcußcntum nennen kann, und die soge-nannte Schwerindustrie; jene beiden Richtungen, die sich aufwirtschaftlichem Gebiete zu der Zollpolitik zusammenfanden,die zwar Deutschland zu einer wirtschaftlichen Blüte verhalf,aber schweren internationalen Konfliktstoff schuf, und die dannauch im Kriege das gemacht haben, was Politik sein sollte,aber nur ein schlechter „Kriegsersatz" dafür war.
Für die internationale Stellung Ballins ist bezeichnend,daß an ihn zuerst die Anregung zu einer Ausgleichs-aktion zwischen England und Deutschland herantrat, die mitdem Besuche des Ministers Haldane in Berlin 1912 ihren Kulminationspunkt erreichte. Angesichts desgeschichtlichen Interesses, das diese Episode beanspruchenkann, soll näher auf sie eingegangen werden.